Munter lärmend aber gaben sich die Jungen. Sie hatten ihre politische Weisheit aus dem Schützengraben mit nach Hause gebracht und fühlten jeder Lage sich gewachsen.
Jetzt erscheinen durch eine Nebentür die Einberufer der Versammlung und nehmen auf der Empore Platz. Lona ist unter ihnen.
Es sind ihrer fünf. Der Vorsitzende, ein schlanker, aufrechter Mann mit scharfen wie gemeißelten Zügen, mit eigentümlich grellen und packenden Raubvogelaugen. Der Führer steht ihm im Gesicht geschrieben. Er ist aus der Hauptstadt gekommen. Rechts von ihm sitzt Lona, links der Koch. Er hat nichts Gemästetes, ist trocken und kantig, der Schädel ist oben kahl, nur in der Mitte, über der Stirn, brennt eine einsame rothaarige Flocke. Die Augen stechen und sind heiß. Sein Nachbar ist der zierliche knabenhafte Mann, der auf der Borkhus-Versammlung die kurze Brandrede hielt, und den der Bierfahrer vom Tisch heruntersetzte. Er hat ein hektisches und verbittertes Frauengesicht. Alle Glieder sind bei ihm in fiebernder Bewegung, in den Augen tobt die Unruhe. Lona hat zu ihrer anderen Seite einen sehr behäbigen, angegrauten, breitstirnigen Herrn, der offenbar nicht ausgeschlafen hat, und sich ein paarmal die Hand vor den gähnenden Mund hält. Zwischendurch tiefsinnig vor sich hinblickt und mit den Elementen der Fingernägelpflege sich befaßt. Aber in den kleinen lauernden Augen ist etwas, das nur darauf wartet, geweckt zu werden. So oft er sich regt, stößt er die Nase vor wie ein witterndes Wild.
Lona blickt unter halbgesenkten Lidern über die Versammelten. Dann starrt sie — Horst hat sich eben seitwärts zum Balbutz gewandt — jetzt wird er in die Bahn ihrer Augen gezwungen, die in seine Ecke, die auf ihn geheftet sind.
Sie beugt sich ans Ohr des Vorsitzenden, das Falkenauge stößt jetzt auch auf ihn — dann erhebt sich der Mann sofort. Klingelt kurz. Stille.
Durch Horst zuckt es hin: wollt Ihr mir zuleibe? Gut, ihr Leute! Kommt an!
„Arbeiter und Arbeiterinnen,“ so spricht der Vorsitzende, „das ist meine Anrede — Ehre, wem Ehre gebührt! Die Einladung zu dieser Versammlung ist lediglich an Euch ergangen. Eure Angelegenheiten sollen hier besprochen und geordnet werden. Die Anwesenheit von Leuten, die nicht darauf Anspruch erheben können, Landarbeiter zu sein, ist nicht erwünscht.“
Ich bin auch Landarbeiter auf meine Art, denkt Horst mit innerem Schmunzeln. Er soll mir schon deutlicher kommen.
„Ich muß deshalb alle diejenigen, die nicht diesem Stande angehören, ersuchen, den Versammlungsraum zu verlassen.“
Seine Blicke geben aller Augen die Richtung. Viele sind aufgesprungen, alle stieren sie in die bezeichnete Ecke. Horst rührt sich nicht. Erst recht nicht, da jetzt in Lonas Züge ein häßlich Feindseliges sich einwühlt.