Und jetzt — eine mächtige Stimme rauscht auf in der Mitte des Saales — langsam hat sich der Torfmeister erhoben — formelle Einwände des Vorsitzenden orgelt er nieder — er spricht, also hat er das Wort.

„Das hätte der kleine Mann da oben nicht sagen müssen, daß wir kein deutsches Vaterland kennen. Was kennen wir denn, wenn wir Deutschland nicht kennen? Bloß Deutschland kennen wir, und ein Stück deutsche Erde ist ja, was wir wollen! Kann man das Land auf den Nacken nehmen und rausschleppen in die weite Welt? Hier ist das Land, und hier sind wir! Bloß das geht uns was an, und das ist, wofür wir leben und streben! Gewiß, die Unterdrückung soll aufhören, die Knechtung und Unbill. Freie Männer wollen wir sein! Aber, wo können wir das anders sein, als auf einem eigenen Stück freier deutscher Erde!“

Horst fährt in die Höhe — er wär am liebsten über all die Köpfe gesprungen, hätte den alten Moorriesen ans Herz gedrückt und sich alle Rippen an ihm verbogen.

Beifallsgemurmel in den Reihen. Die Schreier sind verdutzt. Dann aber neue Kampfrufe aus jungen Kehlen. „Vaterland — quatsch!“ — „Proletarier aller Länder!“ — „Hoch die Internationale!“

Heißer wird das träge Blut, Feindschaften entbrennen, tiefer ziehen sich die Risse — die Leiter sind auf der Wacht. Jetzt ist der Behäbige und Verschlafene, der Mann mit dem viereckigen Schädel, hell bei der Sache. Er stößt die Nase vor und spricht.

„Genossen! Wir begehen den alten Fehler, daß wir an Worten uns erhitzen. Und daß unsere Gedanken uns so weit fortfliegen. Darin hat mein geschätzter Vorredner recht: Hier, wo wir sind, hat unsere Arbeit einzusetzen. Das Nächste ist Trumpf. Ich spreche nicht von Deutschland, ich gehe noch viel weiter. Oder richtiger, ich gehe ins Nähere und Engere. Von unserer Provinz rede ich. Von unserm Kreis. Über die Verhältnisse, gegen die wir hier anzukämpfen haben, will ich Euch ein Licht aufstecken. Mit Hilfe von Zahlen, die beweisen!“

Wozu hat man seine Statistik? Er nimmt ein Blatt aus seiner Mappe, und läßt seine Ziffern sprechen. Die Leute hören gläubig zu, Unmut und Zorn finden ihre Weide. Sie rufen „aha“ und „pfui Deubel“ und „nieder mit den Ausbeutern!“

„So also, Genossen, sieht die Welt hier aus. Und mit dieser Welt werden wir aufräumen. Das Frühjahr steht vor der Tür, der Frühling soll alles neu machen. Mit der Frühjahrsbestellung werden wir unsere eigene Saat säen, die Saat unserer gerechten Sache. Das soll heißen: werden die neuen Lohnsätze, über die wir uns noch verständigen müssen, nicht bewilligt, dann wird gestreikt!“

„Bravo! — Bravo!“

„Dann sollen die Herren allein ihr Land bestellen! Wollen sehen, wie sie damit fertig werden! Paßt auf, sie kommen auf den Knieen zu uns angerutscht. Denn was ist ihr Land ohne uns! Ihr Land? Unser Land!“