In ihrem Auge stand ein brüskes: habe ich Sie gefragt! Aber ihr Ton war farblos, als sie zurückgab: „Und doch werden Sie, wenn es hier zum Klappen kommt, nicht auf der Seite der Bedrängten stehen.“
„Für mich gibt es nur eine Bedrängnis.“
„Deutschlands.“ Der Hohn war müde, und dennoch, vielleicht gerade deshalb fraß er sich ihm bis ins Mark.
„Gewiß. Mein erster Gedanke ist, das Land vor Schaden zu bewahren.“
„Gut, daß es verschiedene — Gedankenwelten gibt.“ Sie verneigte sich, reichte dem Alten die Hand und wandte sich heimwärts.
Die drei Siedler waren unterwegs mit dem Moormeister. Er hatte sich schnell mit dem Balbutz angefreundet. Sie sprachen lebhaft. Horst und der heilige Josef wanderten still und versunken.
Horst ist bei Lona. Warum läßt diese Frau ihn nicht los? Was ist übler an ihr, ihre Geistesverfassung, ihre Gesinnung oder diese verstiegene Selbstüberhebung? Wie hat sie ihre „Gedankenwelt“ betont, die hohe und weite, gegen sein enges, kümmerliches, „monomanes“ — so schilt man es ja wohl — gegen sein deutsches Gedenken. Soll er nicht lachen und lachend sie abtun, ein für allemal? Was muß er immer wieder mit dem Erschütternden ihres Schicksals sie sich aufdrapieren!
Er will nicht in eigenen Erlebnissen wühlen. Wie viel Entsetzlicheres hat er selber gesehen. Warum nur läßt er von diesen Greueln sich nicht bannen, warum muß ihr Los das Bezwingende sein!
Was ist’s, das ihn so lockt an dieser Frau! Daß er ihr Leben ergründen will, wissen und fühlen von ihrem Wesen, dem verborgenen. Ja, dem verborgenen. Hier sind Tiefen, in die er blicken muß — er fühlt es, er weiß es, er wird es.
Daß sie so zur Sphinx ihm wird — oh, mit dem vollen Grusel, dem rieselnden vor der tötlichen Rätselhaftigkeit — sind es nicht bloß die Sinne, die dieses Bild ihm schaffen und schmücken? Die Sinne, die großen Lügner dieses Lebens. Ist es in seiner weibverlassenen Einöde dieser junge schöne Leib, was ihn betört?