Dann lacht er laut und herzhaft mit seinem wunderhübschen Mund.

Da denkt sie, was ist das für ein lieber fröhlich verrückter Junge, und sie lacht zurück. „Haben Sie sich auch nichts getan?“, fragt sie sorgend und hilfsbereit.

Er schüttelt höchst munter den Kopf. „Aber den Seismographen in den Erdbebenwarten habe ich gehörig eins ausgewischt.“

Sein Platz scheint ihm immer noch zu gefallen. Er macht keine Miene, sich zu erheben, und spricht belehrend weiter: „In unserer Reiterhorde war ich wegen meines losen Sitzes berühmt. Jetzt weiß ich doch, daß ich auch im festen Sitz Vorbildliches leiste.“ Und damit versucht er aufzustehen. Es geht langsam, aber dafür tut es weh.

Sie greift zu, ihn zu stützen, da gibt er sich einen gewaltigen Ruck, der ihm durch alle Knochen fährt. Doch damit hat er sich beisammen und ist wieder fest auf den Füßen.

Nun der Sorge um ihn ledig, sieht die Kleine die Stelle sich an, wo er so unsanft den Planeten erschüttert hat. Der Stachelbeerbusch ist heillos verwüstet. Da zieht sich ihr feines Gesicht in die Länge. „Oh, das ist einer von Vaters neuesten und besten — im Jahre 17 gepflanzt, als er auf Urlaub hier war — ein blood hound. Nun müssen wir hin zu ihm und ihm gleich alles sagen. Sonst geht es uns schlecht.“

Wir — und uns — so war die Freundschaft geschlossen zwischen Vita Waermann, dem Pfarrertöchterlein, und Kunz Rutenberg, dem Siedler und Soldaten, dem Wilderer und Turner, der eher die Erde zertrümmerte, als daß er dick sein wollte.

Und nun standen sie vor dem Pastor, einem geraden, schlank gewachsenen, helläugigen Mann, der viel eher soldatisch, als geistlich sich hielt. Er war zuerst als Feldprediger draußen gewesen, dann hatte er als Offizier in der Front gestanden. Jetzt ging er nach schwerer Verwundung am Stock. Erst vor acht Tagen hatte Vita ihn aus dem Genesungsheim abgeholt und seit heute, Sonntag, versah er wieder sein Amt.

Unter den Gottesgelehrten zählte er nicht zu den Gekrönten. Aber in der Obstzucht war er Baas und ein Vorkämpfer für die Fruchtweinkultur als eine fruchtbare Erwerbsquelle auf deutschem Boden. Berühmt war sein eigener Stachelbeerwein, so daß ein zungenfertiger Amtsbruder ihn also gefeiert hatte: „Ein Pastor und ein Wehrmann und auch ein Stachelbeermann.“

Diesen geradezu leidenschaftlich zärtlichen Vater seiner Sträucher mußte man schonend vorbereiten. Er vernahm alle Einzelheiten, wie das junge Freundespaar die Bekanntschaft geschlossen hatte — das Außergewöhnliche sollte seine Vorstellung auflockern für Ungeahntes, Unsägliches. Aber die Katastrophe, die seinen Busch zerschlagen hatte, fuhr ihm doch ins Gekröse.