Spornstreichs stakte er los in den Garten. Die beiden blieben zurück, zwei gescholtene, zitternde Kinder — blieben beieinander, miteinander, als trügen sie beide an der Schuld. Und durch Kunz strömte die Glückseligkeit der Gemeinschaft, die sie auf sich genommen hatte — für ihn.

Der Vater Stachelbeermann kam kopfschüttelnd zurück. „Gerade auf den blood hound.“ Vorwurfsvoll: „Und es ist doch so viel Platz im Garten! Aber, wenn Sie schon eine Sitzgelegenheit in meinen Ribitzeln suchten, warum haben Sie sich nicht lieber dem Schoße der Queen Mary oder der smiling beauty anvertraut?“

Hiermit ging es nun schon schalkhafter zu. Und jetzt flog das letzte des längst schon lächelnden Unmuts davon, und die Gastfreundschaft öffnete völlig und warm dem Besucher, der mit einem Riesenschwung in das Leben des Pfarrhauses sich befördert hatte, die Arme.

Kriegserinnerungen das erste und die leuchtenden Flammen — und dann das würgende Grau der Friedensnot. Und jetzt Glaube und Wille und Gelöbnis. Wir werden sie zerbrechen, unsere Handschellen! Und dann — ein gutes Werk werden unsere freien Hände verrichten — gute deutsche Arbeit werden sie tun! Ja, ihr lieben Feinde Deutschlands — die Zeit kommt — sie kommt, sie kommt, und es fluscht mal wieder!

„Jetzt müssen wir wieder nach einem anderen Katechismus beten“, sagte Pastor Waermann. „Jetzt hol ich mir wieder meinen alten Ernst Moritz Arndt hervor.

„Wer Zwingherrn bekämpft, ist ein heiliger Mann! Wer Übermut steuert, tut Gottes Dienst! Das ist der Krieg, welcher dem Herrn gefällt! Das ist das Blut, dessen Tropfen Gott im Himmel zählt!“ — So der Alte und so jetzt wir Neuen. Dies, dies ist unsere Glaubenslehre. Und keine andere verkündige ich, bis der neue Tag anbricht.“

Kunz hätte ihm um den Hals fallen mögen. Mit großen, glücklichen Augen sitzt er da. Wir haben ihn, den Seelsorger, den wir brauchen! So Gutes ist uns Siedlern beschieden! Und ich habe ihn gefunden — an der Hand des wonnesamsten Mägdeleins. Ich wußte ja, daß mir ein Frühlingswunder geschehen würde! O du gebenedeite, verunglückte Riesenwelle am Reck, die in diesen Lichtkreis mich fliegen ließ. Mich, den Entdecker, mich, den Boten des Heils für die Kameraden.

Vita, jetzt ganz als das Hausmütterchen angetan, das sie in ihrem Hauptberufe war, brachte den Kaffee. Was hat sie für wundervolle Augen, denkt Kunz. Nichts als Augen, Augen das ganze holdselige Gesicht. Graugrün sind sie, wach, hell, groß und weit, und sehen alles, sehen bis auf den Grund. Katzenaugen sind es, die schönsten der Welt.

Wie kräuselt sich dieses rotbraun flammende Haar in Löckchen, in goldigem Flaum um die schmale trotzige Stirn! Wieviel eigenwillige Kraft spannt sich um diese leicht geschwungenen, ein wenig höhnisch geschürzten Lippen.

Sehr ernst und verantwortungsvoll ist jetzt ihr Gesicht, ein wenig altklug wirkt so viel Würde, denn ihre Erscheinung hat immer noch etwas Kindliches trotz ihrer achtzehn Jahre.