Horst, der ihr mit weiten Wimpern zuhörte: „Und Sie wollen keinen Sinn für Landschaft haben?“
„Höchstens da, wo die Landschaft — für mich so lebhaften Sinn hat. Aus einer Art Notwehr. Ich kann mir nicht helfen, unheimlich ist mir das Moor geworden.“
Der Torfmeister sah ihr durch und durch. „Du hast die Moorangst, Kind! Daß Du es nie ohne mich betrittst! Wer vorm Moore bangt, wird von ihm gelangt!“ Er hatte jetzt etwas Gewaltiges in den Augen. Und seine Worte zwangen.
Halb unwillig sagte Lona: „Wie ein alter Zauberer bist Du.“ Aber ein Nachdenkliches blieb über ihr.
Orgelklänge
Lona machte sich zum Heimweg fertig. Auch Horst wollte gehen. Heute widerstrebte sie seiner Begleitung nicht.
Erst sprachen sie von dem Alten. Sie hatten Scheu, den neutralen Boden zu verlassen, den einzigen wohl, den es für sie gab. Dann aber wurde Horst mutiger. Er wollte von ihrem Leben wissen. Er fragte.
Sie hatte erst die großen Augen, erstaunt, unwillig. Dann aber — er war ihr nun doch schon in größere Nähe gerückt — dann hörte er von ihr. Daß sie als Schwester im Felde gewesen war, all die Jahre. Hinausgegangen mit dem flammenden deutschen Herzen — heimgekehrt in der Seele den Haß und den Fluch auf den Krieg, auf das nationale Wüten, den nationalen Frevel, daran die Menschheit sich zerreißt und zerfleischt und verblutet.
In wieviel brechende Augen hab ich gesehen, wieviel letzte Worte hab ich gehört! Unwahr ist, was in Euern Büchern steht! Von der Verklärung in Opferwilligkeit! Von dem letzten Licht, dem letzten Gedanken: fürs Vaterland! Nichts hab ich gefunden als Klage, Groll, als Verzweiflung und Verwünschung!
Sie rief es in Ekstase.