»Na, so ist's nu nit.«

»Warum denn nit?«

»Weil niemand mehr etwas zahlen mag für die Spitzen.«

»Und noch anders ist es: erst, daß wir nicht mehr können aufkommen; denn die Maschine macht eine bessere Spitze, eine feinere und eine wohlfeilere. Will einer einmal trotzdem eine Handarbeit, wer verdient das Geld daran? Die Zwischenhändler. Ich weiß eine Geschichte. Die Anni vom Postkutscher in Gottesgab, wirst's eh kennen, Weibl, das Madl: einen Kragen sollt' sie klöppeln für eine Königin oder eine Herzogin. Sie sitzt, sitzt in die halbe Nacht, sitzt einen Monat und noch einen halben. Sie könnten sie brauchen im Heu, sie könnten sie brauchen in den Schwarzbeeren und in den Schwämmen – alles bringt Geld. Aber das Dirnl muß liefern auf den Tag: sie klöppelt. Und nachher? Fünfundzwanzig Kronen, Harfenweibl, zwölfeinhalb Gülden haben sie dem Dirnl dafür gezahlt! Sechs Wochen hat es gesessen. Kommen fünfundzwanzig Kreuzer auf den Tag. Harfenweibl, vernimmst es? Was die Königin hat zahlen müssen oder die Herzogin? Ui je, ein groß Bißl wird's gewesen sein! Das Dirnl hätt' davon leicht ein Jahr und länger vergnügt leben mögen auf dem Gebirg. Eh eine solche Arbeit aber zu der Madame kommt, die eine Klöppelspitze trägt, da will auf dem Wege jeder, an dem sie vorüberkommt, hundert Kronen an ihr verdienen. Hinausschreien muß man das, weil's die Steine erbarmen kunnt! Hören müssen sie's, hören! Aber eine Aenderung wird nicht und darum versitzt ihr Euer Leben und Eure Gesundheit? Und darum werdet Ihr im Winter nicht satt und nicht froh, im Winter, wo Ihr nicht aufschaut vom Klöppelkissen. Warum seid Ihr denn im Sommer satt? In den Wald lauft Ihr und sucht Euch zum Essen.

Deswegen, Harfenweibl: sie haben der Barbara Uttmann einen Stein gesetzt – in Ehren die Frau! Sie hat eine Wohltat getan, aber sie hat gewirkt in einer anderen Zeit. Die Zeit ist vergangen, die Maschinen sind gekommen mittlerweile und haben zu arbeiten angefangen, aber das Klöppeln ist geblieben. Bleich habt Ihr Euch gehungert, bleich und krank, und ein ärmlich Geschlecht wächst heran im Sonnen- und Waldsegen des Gebirgs.

Daran ist die Heimarbeit schuld. Und warum klöppelt Ihr? Weil Eure Großmütter auch geklöppelt haben!

Auf das Denken vergeßt Ihr hinter dem Klöppelsack, und das Wollen verlernt Ihr. Ihr mögt nichts mehr. Eine Arbeit im Wald und auf dem Feld ist Euch eine »Plackerei und Schinderei«, weil Ihr Eure Kräfte habt versessen am Klöppelsack.

Anstatt ein Mark in den Arm, einen Mut in das Herz, eine Freud' und einen Glanz in die Augen zu kriegen, habt Ihr einen Harm im Herzen und einen Gram auf der Stirn.

Aber, daß ich nit darauf vergeß, Harfenweibl: eine Hoffnung habts auch – eine Hoffnung: der Geschmack der Reichen und Städter mög' sich je eher je lieber den Spitzen, die ihr mit der Hand klöppelt, wieder zuwenden.

Leutln, Harfenweibl, seid Ihr denn blind und taub allemiteinander? Die Geschichte vom Kragen der Königin – weckt sie Euch nicht auf?