Und wenn alles nach Euren Spitzen schrie, was nicht mehr sein kann und niemals mehr sein wird, weil die Maschinen da sind, so werden die Zwischenhändler doch fett dabei und Ihr? Die Finger klöppelt Ihr Euch ab, und die Augen schaut Ihr Euch aus dabei, und den Hunger werdet Ihr nicht los vor dem Klöppelsacke!

Deswegen: in den Ofen brauchts die Kissen nit zu schieben: Schwache und Elende sind, die fei nit anders ihr Kreuzerl verdienen können; die laßt klöppeln in Gottes Namen. Oder, weils ein Heimatrecht hat im Waldland: auf ein freies Stündl oder wenn der Winter einen Schnee wirft bis an den Fensterstein, nachher ist immer noch Zeit dazu. Und was Ihr braucht für Eure Schürzen und Betten und Kleider, das machts Euch. Die Frauen im Land sticken oder nähen auch oder treiben sonst etwas: Ihr daheroben klöppelt.

Wenn doch einer käm und Euch den Star stäch', Harfenweibl!

Das ganze Volk hat der Klöppelsack siech gemacht im Gebirg. Aber wir müssen wieder gesund werden, wir im Waldland! Auszusterben brauchts nit und solls auch nit, das Klöppeln – aber: da ist keiner, der hilft. So weit ist's gekommen, daß die Männer beim trüben Schein der Lampe sitzen des Abends, die Männer, Harfenweibl, die ein borstig Gras auf ihren Wiesen und Halden wachsen lassen, die Männer, nach denen der Wald und die Weide rufen, die sitzen und nähen Gorl (Posamenten)!

Nicht die Kranken, nicht die Schwachen, nein: die Jungen. Warum? Weil sie Mütter hatten, die am Klöppelsack verkommen sind, weil sie selber als Knaben zu dieser Heimarbeit gezwungen worden sind und – nun fang ich das Liedl von vorn zu singen an: sie haben kein Mark im Arm, keinen Mut im Herzen und keine Freud' und keinen Glanz in den Augen!

Klöppelschulen richten sie ein und sind ihrer doch nit viele, die mögen hinein gehen. Das ist ein Zeichen: ein Besinnen kommt in das Volk, langsam, aber es kommt, eine Erkenntnis, und das ist schon der Anfang zur Besserung.

's wird keiner sein, der sagt: die Schulen sind ein Krebsschaden, fei nit, fei nit! Ich weiß wohl: sie sollen das Erlernte, das Frühergekonnte wahren helfen, und es wird immer ein Teil sein, je größer, je kranker wir sind, der ein Wirken hat am Klöppelsack.

Aber: wegen meiner und wenn's mir nachging: hinaus mit der entnervenden Heimarbeit! Ein Krankenhaus wird das Waldland dabei. Und wir Hintersassen im Wald sollten doch der Quell sein, aus dem eine frische Volkskraft hinausspringt ins Land. Omei, omei! –

Keine Kinder hat sie mir geschenkt, die Mali selig, denen ich das mit auf den Weg geben könnte. Jetzt: daß nur der Hans-Tonl da ist – so hat der Hans aus dem Zechenhaus doch auch seine Hoffnung; denn die Eure ist nicht die seine. Euer Hoffen ist seine Furcht. Aber zwei mal zwei is nit schwerer zum rechnen, als die Einsicht, daß Euer Hoffen eine Narrheit ist. Und wenn der Herrgott das Waldland noch ein Eichtl lieb hat, so wird er sorgen, daß Eure Hoffnung sich nie erfüllt, so wird er Euch zwingen, wieder einen Willen zu haben. O, wenn der so stark wäre, wie Eure Herzensgüte und Treue! Leutln, dann wär't ihr Kerle! Solche müßt sich einer suchen in der Welt. Aber Eure Tatkraft ist ein kümmerlich Pflänzlein, das im Schatten des Klöppelsacks gewachsen ist.«

Wie der Zachenhesselhans sich Feuer in die Augen geredet hat und wie er mit großen Schritten durch die Stube wandert und das Pfeifl in der Hand schwingt, wie ein Musikdirektor seinen Taktstock, da hat sich die Tür aufgetan und das Fanele ist hereingehuscht. Hinter den Ofen hat sich's gesetzt, still wie ein Mäuslein, und hat sich hinter den Seppl versteckt. Jetzt kicherts: