»So kannst warten bis gegen die Mitternacht. Hans-Tonl, das ist ein neues, ein feines für die beiden auf dem Neuen Haus. Das is fei so viel lustig – justament wie »Die Ofenbank«. Kommst an einem Haus vorbei oder an einem Gasthaus: »Die Ofenbank« singen sie allenthalben im Waldgebirg.
Darfst das nit so für nix halten, Hans-Tonl! Jetzt: wenn Du ihnen die Liedln nicht machetest, so sängen sie nit, oder sie sängen, nachher aber die Gespenstergeschichten vom Grafen und dem Tod und solche. Du aber gibst ihnen eins, das sie brauchen: aus der Zeit, aus ihrem Leben und aus ihrem Herzen heraus. Du hilfst ihnen, den Winter lustig überstehen, Hans-Tonl, hilfst ihnen, den Gram verscheuchen von den Schwellen; bleibt nur noch manchmal der Hunger hocken. Den wollen wir auch wegschaffen, den Sakra! Wenn sie nur erst auf den Einfall kommen: was die am Sonnenwirbel können, das können wir auch. Sie brauchen fei einen, der's ihnen vormacht.
So wie's daherum ist, ist's manchenorts im Gebirg, und wenn wir etwas schaffen mit dem Viehhalten, so werden sie's anderswo auch.
Die Hauptsache ist: eine Arbeit müssen sie haben und einen Verdienst dabei – muß aber mehr abwerfen als das Klöppeln, sonst sagen sie: das Klöppeln ist leichter, warum sollen wir uns eine Plackerei machen mit dem andern? Denn bloß um die roten Backen, das is ihnen fei nit genug; und was die für einen Wert haben – der Zachenhesselhans wird sie davon nit überzeugen. Da muß schon ein anderer kommen. Sie müssen heraus aus den Stuben und heraus auf die Bergwiesen und in den Wald, daß ihnen eine neue Lust am Leben ins Herz kommt.
Singen – freilich: wann haben wir einmal nit gesungen, wir daheroben im Waldland? Wenn der Hunger einmal ist gar zu schlimm gewesen im Wald und wenn sie die Leibriemen allzu fest zusammenziehen mußten.
Hans-Tonl, eine Hungersnot mag auch anderswo kommen – aber: hier oben ist sie gekommen, weil das Klöppeln fei gar nit halb zulangt, ein Volk satt zu machen. Was ich immer gesagt hab: aus dem Land wollen wir's nit haben, beileibe nit! Aber wer etwas anderes treiben kann, als sich am Klöppelsack siech sitzen und helfen, das Waldvolk erbärmlich und elend zu machen an Körper und Geist, der soll sich nit umschauen nach dem Spitzenmachen.
Ein frommer kräftiger Schlag Menschen müßt' wieder wachsen daheroben, jetzt ist's ein schwächlicher, jetzt ist's ein siecher.
Das ist er geworden, seit er über dem Fadendrehen vergessen hat, was er seiner Scholle schuldig ist.
Fromm kunnten sie sein, hab ich gesagt. Warum?
Im Wald ist immer ein Gottesdienst: eine Orgel tönt in den Wipfeln und ein Prediger ist da, der Sonnenschein oder das Bergwasser, das aus dem Stein springt.