Warum?

Einer wie ich, der kann dem Waldland nix mehr nutzen, is fei genug, wenn er ihm nit zur Last wird. Aber Ihr, Leutln, Ihr Jungen, Ihr seids die Hoffnung von dem Zachenhesselhans.

Sehts, ich hab' so meine Gedanken gehabt und hab' sie nit fallen lassen, seit ich gemerkt hab': wir sind nit mehr auf dem richtigen Weg daheroben. Wir mühen uns nit, einen besseren zu finden. Leutln, es ist ein Fortschritt in der Welt. Aber wir im Waldland haben nichts davon gemerkt. Vor vierhundert Jahren, wie die Barbara Uttmann uns das Klöppelkissen gebracht hat, hat's daheroben genau so ausgesehen wie jetzt. Das mag auch sein Gutes haben. Aber das gar feste Stehen auf dem toten Punkt, damit ist's auch nichts. Unsre Kraft ist eine Schwäche geworden, nur die Treue und die Zufriedenheit sind uns geblieben. Weil mir die Mali selig keine Kinder geschenkt hat, hab' ich mir zweie gesucht, den Hans-Tonl und das Fanele. Just die beiden, die müssen's machen, hab' ich gedacht. Und nun, wo ich selber gar nichts mehr zu schaffen hab', will ich zuschauen, wie's wächst und gedeiht, was ich an Samen gestreut hab' im Leben. Leutln, ich hab' immer an das Pfund denken müssen, das ausgeliehen wird. Vergraben hab' ich's nit. Selber schaffen kunnt ich's auch nit; denn ich hatt' zu häufig einen Gast, den kunnt ich nit loswerden: die Armut. Aber das Fanele und der Peterl haben zwei Häuser und Grund und Boden von zweien; der Hans-Tonl hat auch sein Ererbtes. Der Zachenhesselhans aber hat nix hereingebracht und –: auf ein Sparen ist er auch nit immer bedacht gewesen, das heißt auf ein Sparen an Gülden. Dafür hat er aber kein Stündl müßig am Wildrain gesessen und kein Stündl müßig auf der Ofenbank. Immer hat er gedacht: wenn ein neuer Weg sei, so müßt' er ihn finden.

Ob er ihn hat, das werden wir sehen. Er läßt Euch ein Erbe, wenn er wandern geht, die lange Straße, die noch keiner zurückgekommen. Und der Hans-Tonl und der Peterl mit dem Fanele müssen's ihm verwalten …«

Draußen schneit's, schneit immerfort, ganz leise, ganz dicht; aber sie haben keine Zeit, hinauszuschauen.

Das Fanele gießt den dampfenden Kaffee in die Tassen, und wie man zu fünft um den Tisch in der Fensterecke sitzt, tut der Zachenhesselhans einen Blick zum Fenster hinaus.

»Um einen Einstand tät ich aber doch bitten,« sagt er, »die Hühner müssen herauf aus dem Zechenhaus. Ein Säckl Gerste sollst auch haben, Helari, wenn Du sie derweil mit unterkriechen läßt. Der Peterl und ich gehen, sie herauftragen.«

Wie der Kaffee getrunken und wieder durch eine Stunde der wirbelnde stille Fall der Flocken herniedergegangen ist, machen sich die beiden auf den Weg den Hang hinein.

Die Hühner sind in der Stube vom Zechenhaus heimisch geworden. Die Wärme, die immer noch leise aus den Kacheln spinnt, hat sie gelockt.