»Gemach,« sagt der, »wir zwei sind doch immer gut Freund gewesen! Helari, schau, von der Hausecke zum Brunnenrand hat er schon angefangen zu bauen, und den Gartenzaun hat er bereits unter; kein Lattenspitzl schaut mehr heraus.«

Der Zachenhesselhans zieht sich die Kappe auf die Ohren und steigt zu Tal.

Der Weg, den die beiden vorhin getreten, ist schon wieder verweht und nicht ein Stapfen ist mehr im Schnee. Der Nebel wird dichter. Der Wald steht wie ein Schatten darin. Den Schatten wirft die Düsternis, die zwischen den Stämmen liegt: die Kronen der Bäume, die ganz in Weiß gehüllt sind, scheinen nicht durch das Weben der Bergnebel.

Wie der Zachenhesselhans gegen das Häuslein kommt, sieht er, daß auch die Fichtenstämme schon dick im Anreiml stehen.

»Viel Anreiml, viel Frucht im neuen Jahr! Nur zu – uns kunnt das schon passen.«

An der Seite, an welcher die Nebel gegen die Stämme schwimmen und zerreißen, läuft ein faustdickes Rauhsilber herunter von der Krone bis an den Schneegrund, und ein faustdickes Rauhsilber hat sich um jeden Ast und jeden Zweig gelegt, der noch ohne die Last des Schnees in die Graudämmerung des Winterwaldes ragt.

Zwischen Halde und Hausdach beginnt der Wind einen Silberbogen zu schlagen, der am tiefsten ist, bevor er aufs Dach hinaufspringt.

Es ist schon gar nicht mehr zu sehen, wo die Schindeln gegen die Halde herabfallen und wo der Dachrand ist. Und zwischen der Berglehne und der Rückwand des Hauses muß der Schnee ein Stüblein gebildet haben: die Decke aus blitzenden Sternen darübergewoben, und stockfinster ist es darunter. Wenn einer mit dem Licht hineingeht, ist ein Funkeln und Flimmern darin, wie in der Berghöhle, von der das Märchen zu erzählen weiß.

So hat sich der Winterwind eine glatte Bahn gebildet, die unter der Unruh anhebt und die auf dem First des Zechenhäusls endet. Unausgesetzt fährt er darauf herab und immer flacher wird der Bogen, immer gewaltiger aber wird die Last, die der Wind dem morschen Dache des Zechenhauses aufbürdet. Und oben, über den First, bläst der Bergwind einen Schneewirbel herein, der stäubt so dicht: man kann gar nicht sehen, daß es ein schimmerndes Silber ist, das da oben tanzt. Tanzt auch nicht weit; schon über dem Gärtlein, das zwischen dem Zechenhaus und dem Waldrand liegt, läßt er's fallen, das flimmernde Spiel, im Gärtlein schüttet er's auf, höher und höher; dort lehnt es sich, eine starre weiße Mauer, gegen das Staket, hat das Staket aber längst begraben und ist schon wieder so hoch, wie eine Wand des Zechenhauses.

»Sel wirst fei nit lang tragen, Häusl, und es täte wohl not, daß einer versuchete, wenigstens sein Bett herauszubringen. Aber jetzt? Zuschauen muß der Zachenhesselhans, daß er seine zwei Beine aus dem Schnee ziehen kann. So wollen wir uns das Besenreisig ausladen, das hat auf der Achsel Platz.«