»Das ist fei nit schlimm. Mei Bettstattl hat sogar Raum für zwei; und ich hab einen Sommer lang Platz auf der Butzen hinter dem Ofen.«
So richteten sie, während der Frühling seine Boten über das Waldland sandte, das geborstene Gemäuer wieder auf. Und wie noch ein später Sturm zornig über den Gebirgskamm lief, weil er das Feld für den Winter nicht verloren geben wollte, und wie der sich auch auf das Häusl stürzte, das den Winter über so wackelig an der Halde gelehnt hatte, da stand's fest. Und der letzte Sturm mußte sich begnügen, im Wald ein paar Fichten zu entwurzeln und krachend zu Boden zu werfen.
Wie sich auch der Sturm verlaufen hatte und das Donnern der Sturzbäche leiser ward, kamen die Nebel – nicht die langen Tage über lagen sie auf dem Waldland, nicht in die Morgen wälzten sie sich, schwer, träge, sondern sie erwachten, wenn die Sonne zwischen den Plessen und den Spitzberg zu sinken begann.
Noch standen die roten Lichter des Abends über dem Bergwald, noch lief ein warmer purpurner Schein über die Halden, da begann der Nebel sein heimliches Spinnen über den berstenden Schollen.
Aus den Runsen und Rissen flog ein warmer kräftiger Brodem, aus den Wäldern schwamm der harzige Duft, der das Drängen des keimenden Frühlingswuchses verriet.
Und wenn ein Wind über die Wipfel lief, so trug er die seidigen braunen Flöckchen, in denen über Winter die zarten Sprossen geschlafen hatten. Nun drängten sie heraus, denn sie hatten den goldenen Hauch der Sonne gefühlt.
Und wie die Rieselbächlein, die zwischen den Steinen und unter den Wurzeln der Haldenbüsche herausgesprungen waren, versiechten, da öffnete der Alte vom Zechenhaus den Spund an der Röhre und es war wieder das klingende Rillern über der Bergwiese, unter dessen Segen sie sich im späten Herbste noch einmal mit leisem Grün geschmückt hatte.
Von jenen Haldenstrecken, die im Vorjahre das stachliche saftlose Gras getragen hatten, zogen die Männer die Reste des Düngers ab. Und wie die Sonne kam und das junge dichte Gras die Scholle brach, in denen zum ersten Male die Kraft fröhlichen Wachstums war, so gingen die Kühe der Hölle – drei Stück Jungvieh waren dabei – mit klingenden Glocken an der Berghalde.
In den Augen des Zachenhesselhans war ein Glanz, den der junge Frühling hineingeworfen hatte und der allen, die in diese Augen schauten, verriet: das alte Herz des Waldmanns sieht Wunder und wartet auf Wunder.
»Helari, was hast gesagt? Du hast gemeint: eine Fabrik müßten wir haben in Gottesgab, etwan eine, in der Posamenten oder Handschuhe gemacht werden. Eine einzige Fabrik könnt uns helfen daheroben. Die Männer müßten nicht mehr hinaus auf den Spitzenhandel, Männer, Frauen, Jünglinge und Jungfrauen braucheten nicht mehr aus dem Waldland, um eine Musik zu machen in der Welt. Hast das nit gesagt, Helari?