Diejenigen, die hinausziehen mit ihren Singspielen, die landfahrend werden – was verdienen sie denn? Kaum ihr Leben können sie fristen davon. Der Schmied-Seff-Pepp ist einer von ihnen. Weißt noch, wie er den Berg heraufgeschnauft ist und wie er kaum den Weg gesehen hat zu seinen Füßen? Einen Reichtum hat er nit heimgebracht aus dem Lande, darinnen Milch und Honig fließet. Ohne Augen ist er hereingefahren ins Waldland. Und jetzt: dem Bettelmannl, das das Licht nicht mehr sehen kann, gibt's sein Heimatland in Fülle. Nicht, daß einer reich werden könnte dabei – aber: keinen Spargroschen hat er gehabt sein Lebtag. Und jetzt, Helari, weißt, wie mir's möglich geworden ist, das Häusl wieder aufzurichten? Die fünfzig Gülden haben mir der Seppl und das Harfenweibl geliehen.
Wir wollen aber weiter schauen, Helari.
Was schicken denn die Männer, die draußen mit den Spitzen handeln, an Geld nachhause – mit den Spitzen, die ihre Frauen und Kinder daheim geklöppelt haben einen Winter über, den sie bei einer Handvoll Erdäpfel und einem Hering verdarbt haben? Die meisten nichts, und mancher im Monat zwei oder drei Gulden. Helari, und das ist wert, daß daheim die Familie ohne einen Vater sitzt ein halbes Jahr oder noch länger und ihm fremd wird?
Und eine einzige Fabrik, meinst, könnt' den Leuten daherum auf die Beine helfen?
Das geht leichter.
Mit einer Ziege mögen sie anfangen, daraus werden zwei und drei und nebenher wird mit der Zeit eine Kuh.
So fehlt es an der Weide, meinst Du, ich weiß. Liegen denn im Wald des Grafen oder im Staatswalde nicht Strecken brach, auf denen ein Gras wächst und verkommt?
So muß man eine Eingabe machen und sich die Erlaubnis holen, umsonst oder gegen ein paar Kreuzer Entgelt die Brachen abmähen oder abweiden zu lassen. Und wo eine Kuh im Stalle steht, nachher verdirbt keiner. Das ist alles nur der Anfang, Helari. Ist ein Fleckl, an dem ein Stamm steht mit einem Arm. Und weißt, was auf dem Arm geschrieben ist? ›Vom Klöppelsack zur Besserung‹ – hier geht der Weg.« –
Früh steigt der goldene Sonnenschild über den Keilberg und auf dem Gebirgskamm steht der Mai. Zwei Händevoll Blumen hält er: Butterblumen, blauen Gundermann, Vergißmeinnicht, Wildveilchen, sind auch Wildrosen dabei. Die streut er über die Berglehne herab.
Dem Mai entgegen steigen das Fanele und der Peterl die Halde empor.