»So. Und nun, Landfahrer: hast eh im Niederland gesehen, daß die Bauern das Gras auf den Wiesen stehen lassen? Die hau'n woltern nach dem Grummet noch einmal! Und im Waldland gibt's solche, die mögen das Heu nicht. Müssen fei reiche Leut sein, die im Waldland!«
»Wenn sie kein Vieh haben, dem sie's füttern können!«
»Jetzt – warum haben sie denn kein Vieh? … Pah,« macht der Zachenhesselhans, »seht's, Leutln, seht's, das will ich Euch sagen: weil Eure Mahm auch keins gehabt hat und keins Eure Väter. Jetzt – meint ihr, so können wir auch keins brauchen. Nun war das aber eine andere Zeit, da die Mahm im Hüttlein saß. Da machten draußen in den Städten die Maschinen keine Spitzen, die ganz feinen, was die Valanzen (Valenciennes) sind, nun gar nicht. Die eisernen Hände der Maschinen arbeiten billiger, als die flinksten Finger unsrer Frauen. Gegen die Maschinen – das ist ein ungleicher Kampf. So. Und was heut das Wawrl ist und das Fanele und die Gabi, ja was Dein Resl is, Helari, Klöppeln die etwan eine feine Spitze, so, wie's ihre Mütter gekonnt haben?«
»Fragt sie denn einer danach? Bezahlt sie denn einer dafür?«
»Keiner! Justament deswegen. Der Verdienst ist geringer. Das ist wie ein Quell im Waldland: einmal, da ist er hell und stark gesprungen und hat das ganze Gebirg gespeist, heut rinnt er trüb und müde, und 's lohnt fei nimmer, das Krügl drunter zu halten. Da muß man sich nach einem andern umsehen. Schau'n wir einmal! Das haben wir nahe. Bergwiesen, Grasland allenthalben auf dem Kamm des Gebirgs. Dann der Wald, und mittendrin manch Streiflein, manche Au mit einem Graswuchs, jetzt, daß einem das Herz weh tut, weil man zu diesem Waldgras nicht das Oechslein worden ist.«
Weil der Zachenhesselhans grad mit der Linken den Beschlag vom Pfeifenkopf aufgeklappt hat und mit dem Spitzfinger der Rechten ein wenig nachdrückt und dabei an der Nase hinabschaut, wirft der Helari dem Hans-Tonl einen Blick zu, der fragt: Glaubst das, Hans-Tonl?
Der Hans-Tonl macht wahrhaftig ein Gesicht, als wär die Weisheit vom Zachenhesselhans auch die seine. Er ist justament dabei, sich alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen, was der Hans von Zechenhäusl zum besten gegeben hat.
Da merkt der Helari: er hat keinen zur Seite und – will er in den Kampf gehen, muß er sich fei auf sich selber verlassen. Er hustete ein wenig und rückt ein Stückl weiter im Gras.
»Zachenhesselhans,« sagt er hernach, »weißt noch mehr? Sonst, wenn das alles ist, möcht ich Dir schon sagen, daß ich von dem kein Wörtl unterschreib.«