»Hab ich eh gewußt,« entgegnet der Zachenhesselhans, der sich mittlerweil sein Rauchzeug in Schuß gebracht hat, »daß der Helari eine andere Ansicht hat; denn wär er der meinigen, so hätt er der Unruh längst ein Stückl angebaut und ein Stücker drei oder vier Kühe mehr eingestellt. Aber, der Helari wird sei Gegenred machen müssen, sonst laßt sich der Zachenhesselhans nicht überführen.«

»Na,« sagt der Helari, »zuerst: was da an Mahd stehen bleibt, ist weiter nichts wie borstig Gras …«

»Halt!« fällt ihm der Zachenhesselhans ins Wort, »und warum ist ein Gras daheroben überhaupt borstig?«

»Weil kein Dünger da ist, der langete für das Grasland.«

»Und warum ist denn kein Dünger da?« fragt der Hans vom Zechenhäusl, und in seinen Mundwinkeln geht ein listig Wirbeln und Zucken. »Schaust, Helari, die Antwort magst nicht gern geben, weil sie heißt: es ist nicht genug Vieh heroben, nicht so viel, daß es hinreicht, den Dünger zu geben für den Wieswuchs, der da ist. Freilich: für das, was in Euren Ställen steht, langt's eh, was wächst, langt fei reichlich. Nun ist aber die Rechnung die: ist es gescheiter, wir schaffen uns ein Vieh ins Gebirg und nützen den Graswuchs besser, oder ist es gescheiter, wir lassen die Hälfte borstig und bescheiden uns mit der ersten Mahd? Denn das muß ich Euch schon sagen: daß kein Grummet daheroben wächst, daran ist wieder einmal nicht der Herrgott schuld, der an dem Waldland vorbeiläuft und keins macht, weil er etwa müde ist von der Arbeit anderswo oder weil er seine ganze Herrlichkeit im Niederland gelassen hat und dem Waldland fei nur einen Reif gibt, wenn sie drunten noch lustig ernten. Nein, Leutln, daran ist kein anderer schuld, als die Männer um den Sonnenwirbel selber. Aber: fei allein, wie im Paradiesgarten, laßt der Herrgott nichts mehr wachsen. Seit die Sünd' in die Welt gekommen, heißt's: auch ein bißl mittun, Leutln! Und schwitzen müßt ihr schon ein wenig dabei, sonst wachst nix. Hernach könnt ihr auch Euer Brot essen.

Und weil ich einmal dabeibin,« fährt der Zachenhesselhans fort und gießt seinen Pfeifenstiefel aus, »da muß ich Euch doch noch sagen: 's gibt höhere Berg, als am Sonnenwirbel, und 's gibt ärmeres Land, als das Waldland, und 's gibt kältere Winde und längere Winter, als daheroben, und doch treiben die Leute darinnen nichts weiter, als Viehwirtschaft. Wir aber um den Sonnenwirbel haben eine abgegriffene Weisheit, so abgegriffen, sag ich Euch, wie ein alt Geldstückl, daß fei keiner mehr achten dürft, und doch ist sie noch immer im Umlauf und fein in Ehren. Die heißt: das Waldland im Gebirg trägt seine Leute nicht! Darum müssen die Männer fort auf den Handel und auf das Musikmachen – gelt, Landfahrer? – und lassen ihre Heimat imstich, wenn ihnen gleich das Herz dabei wehtut, so weh, daß sie dem Schneewind vorauflaufen und mit ihm wieder in das Heimatland einziehen.

Aber während der Bergwind sich über den Wäldern sein Liedl singt und die Wangen sich rotläuft, sitzen sie daheim und hungern sich bleich.

Das is fei nix, Leutln! Ich halt's mit dem Sprüchl: gibt der Herrgott ein Hasl, so gibt er auch ein Grasl. – Machts Euch das Waldland zurecht und sehts: es ist stark genug, Euch alle zu tragen und noch einen Haufen mehr obendrein.«

Der Zachenhesselhans langt unter die Bank, setzt dem Steinkrug sein Käpplein ab und läßt noch einen Beißer herausrinnen – aber nur den einen. Der ist für den Zachenhesselhans; denn der meint: er hab ihn sich redlich verdient.

Der Helari sagt: