Der Wurzltonl nickt und lacht; dann sagt er halblaut: »Hachtl (Hecht) heißen sie ihn doch nur wegen seiner scharfen Nasen, Weiberl.«
»Soo!« macht das Harfenweibl und schaut sich nach der Gabi um.
»Jetzt,« sagt die, »der Hachtl wird mir doch nicht zu einem Abendmahl Blaubeeren in den Wald gelaufen sein? Wenn das Wetter kommt, läßt sich's von denen im Wald nicht sehen und hören, bis es da ist.«
Weil die drei bei der Schwelle auf den Hachtl denken, und weil der Peterl mit der Mahm vom ›kalten Winter‹ herauf über das Gras kommt, vergessen sie ganz auf den Tonl und das Wawrl. Den beiden ist das fei recht: ein bißl warm ist's schon im Heu, aber auch dämmerig und weich, und ist ein süßer Duft darin. Und ist immer ein heimlich Flüstern, jetzt – man weiß nicht, ob der Tonl und das Wawrl sich etwas zu sagen haben oder ob's justament nur die trockenen Hälmlein sind, die miteinander reden und in denen noch der klingende Sonnenschein aus der Sommerwelt rinnt.
Wie sie sich miteinander freuen über ein goldenes Band aus Sonnenstrahlen gewebt, das durch ein Astloch in der Holzwand hereinfällt und justament dem Wawrl auf die Schürze, rennt ein Wind draußen ums Haus, so ein Vorreiter vom Wetter, legt die Spitzen seiner Finger in die Ritzen der Tür und reißt die Tür auf. Der helle Tag läuft herein in die Heukammer, und das Wawrl, das gerade seine Arme dem Hans-Tonl um den Hals gelegt hat, schlägt die Arme herunter und die Hände vors Gesicht, damit der Tag nicht sehen kann, wie's rot wird.
Der Hans-Tonl geht heraus in die Sonne, das Wawrl durch die andere Tür aus der Heukammer in den Hausgang. Der Tonl läßt sich den Quell vom Stein heraus über die heißen Arme laufen und taucht den Kopf in das blanke Bergwasser. Das Wawrl geht und trägt ihm ein Leintuch hinaus.
Während der Tonl die Arme und das Gesicht sich trocken reibt, schaut er auf und sieht, wie der Peter Einräumer die Straße herabkommt gegen den Sonnenwirbel zu. Nicht wie ein anderer Mensch kommt er, nicht wie einer, der die Mütze mit dem k. k. Adler nicht auf dem Kopf hat, nämlich: indem er ein Bein vor das andere setzt und auf sein Ziel zugeht, was nötig wär', weil das schwarze Meer zwischen Plessen und Spitzberg schon gar so hochgeht.
Ein k. k. Einräumer, wie der Peter einer ist, geht auf einmal nur immer von einem Vogelbeerbaum zum andern, läuft bald einmal hüben an der Straße, bückt sich bald einmal drüben. Ueberall setzt er sein Häcklein an, hackt die Baumscheiben locker, zieht die Abschläge aus. Und ist noch irgendwo ein Loch am Straßenrand, wo ein Maulwurf heraus oder ein Mäuslein hineingefahren: ein richtiger Einräumer zieht das Löchlein zu; denn wenn das Wetter auf dem Sonnenwirbel darübergegangen, ist an der Stelle, an der das Mauslöchlein im Straßenrand war, ein Brunnenloch gerissen. So –, wenn einer meint, der Peter ist ja gleich daheim, zwei Steinwürfe weit auf der Straße sieht man ihn ja schon hereingehen, da ist er noch lange nicht auf dem Sonnenwirbel, sondern braucht fei noch sein Stündlein.
Jetzt: wenn sie ihn nur sehen, – 's ist bloß, weil das schwarze Meer gar so gefährlich tut!
»Will denn das Harfenweibl das Gewitter auf dem Sonnenwirbel erleben?« fragt der Wurzltonl. »Ich mein', das ›Neue Haus‹ läg ein wenig mehr im Geschützten?«