Der Wind ist eh früh schlafen gegangen; es ist kein Lüftlein mehr lebendig in diesem Tale. Solange sich der Zachenhesselhans besinnen kann, so ein Sommer ist fei noch gar nit gewesen auf dem Gebirg. Wenns Rosen hätt' im Waldland, die könnten in dem Jahre blühen daheroben, und wenn's Fruchtbäume hätt', etwa Aepfel und Birnen, so könnten die am End' einmal ein Obst zuweg bringen. Die Kirschen nit – auch nit in solchem Bergsonnenschein. Aber: einen Holzapfel – wenn einer jung wär: probieren müßt' man's schon einmal, denkt der Hans vom Zechenhaus.
Wie er über die Halde kommt, richten die bunten Kühe die Köpfe in die Höhe, neigen sie aber gleich wieder – »das ist der Zachenhesselhans, den kennen wir,« sagt der Alte zu den Kühen.
Und nun schwanken wieder die weichen Glockenklänge durch die sonnige Bergeinsamkeit – ganz träumerisch und ganz langsam: sind wohl die seidenen Septemberfäden, die so lautlos durch das Gold des Herbstes schwimmen und die Glockenklänge ganz leise einspinnen.
Jetzt – der Zachenhesselhans steht kerzengrad im Licht und stemmt sich aufs Häcklein.
»Da läuft der Abflußgraben vom Sonnenwirbel herein, der das Wetterwasser leitet. Das ist die Grenze vom Wurzltonl seinem und von dem Helari seinem Gras. Und dort ist's, wo die Berglehne die Steinnase hat. Ist ein wenig Strauchwerk darum und was denn noch?«
Der Zachenhesselhans geht mit Meterschritten hinüber zu dem Stein, der aus dem Gras springt.
»Wenn hier ein Wasser wär' – auf siebzehn Meter könnt einer einen Graben hinüberziehen bis zum Abfluß. Wo der in die Schleuse hineinrinnt, müßt ein Schützen stehen. Ist der herunter, so läuft das Bergwasser breit und dünn über die ganze Lehne.
Aber: was steht denn da? Heide? Die blüht dasmal bis an die Spitzen hinan, ganze Reihen roter Perlen hat sie angesetzt, die Heide. Das gibt fei einen kalten Winter, sagen die Leute. Und da is ja auch die Trunkelbeere heimisch worden.«
Der Zachenhesselhans legt den Finger an die Nase.