Dort lag die Sonne in zehntausend Anemonen und Veilchen und hatte sich den Frühling hinbestellt. Da spielten sie zu Vieren Küssen.
Nach einiger Zeit erklangen junge Stimmen auf dem Grashange gegenüber, und wie die vier himmelfreudigen Spieler die Zweige der Jungfichte auseinanderbogen, sahen sie die kleine Prinzessin Sophie und den noch kleineren Erbgroßherzog Wilhelm Ernst. Die Kleine kauerte vor einer Röhre, die unter dem Parkwege hindurchführte, und hatte das Tirilieren wie Minchen Herzlieb; denn Flipp, der stichelhaarige Dackel, war von seinem Forschertriebe in die Röhre getrieben worden und suchte da nach Wundern. Und das Kleine wollte ihn am Schwanze herausziehen. Wilhelm Ernst der Jüngere aber hatte sich von einer Parkfrau den Rechen geben lassen, der älter war als er selber, und versuchte sich damit am Ernste des Lebens.
Da lief die Sonne hin und faßte das Vorfrühlingsidyll mit den Fürstenkindern und Flipp dem Dackel in einen goldenen Rahmen. –
Am dritten Tage waren sie in der Fasanerie im Webicht. Es waren da schon viele Lichter ausgelöscht in der Welt, und was sich an verfrühten Blumengesichtern aus dem vorjährigen Laube hob, hatte die Augen zu, und der Wald trauerte um den leuchtenden Irrtum der letzten zwei Tage.
Es war wieder Februar geworden.
In der niederen Stube der Fasanerie waren sie allein, um sie ein bißchen verblichene Weidmannsfreude des abseitigen Jägerhauses an den Wänden – auf einmal war Jockele im Forsthaus an der Hörsel, und das Zinzilein stand in der Stube und schaukelte ein kleines Mädchen auf dem Arme …
Gott, das Zinzilein! Wo war es gewesen all die Zeit her!
Es hatte genau solche goldenen Haare und solche Maifestaugen wie Minchen Herzlieb. Aber es war kaum der Schule entlaufen, da hatte es schon ausgesehen wie ein durchsonntes stilles Waldwasser, aus dem die weißen Sterne des Hahnenfußes aufgehen und die silbernen Kronen der Teichrosen. Es blühte an ihm alles so von innen heraus; wo es seine Augen hatte, ward's hell, und wo seine liebe Stimme erklang, ward's warm … Nun war ein schlankes, junges Mütterchen aus ihr geworden!
Die Sehnsucht faßte Jockele an – heißer, träumerischer Hochsommermittag, in dem alle Düfte Farben bekommen und Säulen von Gold in den thüringischen Buchenwäldern stehen. Und seine Seele schwamm darin mit breiten Schwingen …