Aber Gwendolin ließ dafür ein verständnisloses und erschütterndes Lachen auf sie los.

Auf dem Heimweg ging Maria den Philosophenweg entlang durch die Kiefern nach dem Walle des alten Schießstandes und kämpfte dabei einen harten Kampf ums Recht. Weil sie erkannte, daß sie in dieser Gefahr für Jockele ganz allein sehende Augen behalten hätte und am Ausgange der Dinge triumphieren wollte, beschloß sie ein Tagebuch. Darin wollte sie sich alle Bitternis über den leichtsinnigen Verkehr Jockeles und die noch viel leichtsinnigere Beurteilung durch Doris Rinkhaus vom Herzen schreiben. Sie machte sich auch gleich einen Plan. Es sollte ausgiebig von Erziehung und Vererbung darin die Rede sein und von den Gefahren, die mütterliche Nachsicht über einen Menschen bringen könne. Und zuletzt – zuletzt würden die denkwürdigen Worte stehen: »Das war das Ende: es ist gekommen, wie ich vorausgesehen habe! Ein leuchtendes Talent ist zerbrochen am Zigeunertume des Herzens.«

So war Maria Reh durch eine närrische Rechthaberei viel zu früh auf den Distelrain der Altjüngferlichkeit gedrängt worden. Sie verfiel von Stund an in eine selbstquälerische Wachsamkeit. Und weil sie sich vor Doris Rinkhaus nicht verbergen konnte und doch vor Fragen verschont bleiben wollte, sagte sie ihr, was sie vorhätte. Aber sie stellte es so dar, als ob es sich um die Niederschrift von Erinnerungen aus dem Baumgarten handelte, die sie zur leidlich nutzbringenden Anwendung der langen Abende ersonnen habe.

So oft Doris Rinkhaus die emsige Feder über das Papier knirschen hörte, saß sie ohne die leiseste Anwandlung von Neugier über ihren Büchern. Sie dachte sich eine Darstellung der kleinen Ereignisse durch Maria Reh nicht sehr interessant; denn es fehlte der Scheinwerfer einer rotblütigen Lebensauffassung und rassiger Freude am Dasein.

Sie kamen darüber aber doch nicht selten ins Scherzen –

»Wo stehst Du jetzt?« fragte Do.

»Immer noch beim Sommer in Ibenheim!«

»Du bist ausführlich, Maria! Vergiß die Geschichte mit dem Druckknopf nicht – sie ist lehrreich.«

»Wie meinst Du das?«

»Nun, wenn Du mal Großtante geworden bist, so läßt sich dann durch Deinen verblühten Mund eine weise Nutzanwendung machen, etwa mit der Ueberschrift ›von der Niedertracht der leblosen Dinge‹.«