»Sie schläft,« sagte Jo. »Aber diesmal ist es zu Ende zwischen mir und ihr! Wo ist Fräulein Reh?«
Da rief Do Maria herein –
»Bitte, gehen Sie zu Husch's Mutter,« sagte er, »und bringen Sie ihr diese fünfzig Mark. Ich kann das Mädchen nicht mehr um mich haben – ich kann nicht! Sie wissen, was Sie der Frau sagen werden. Und wenn Sie mehr Geld braucht, so soll sie später zu mir kommen, ich will ihr geben, was mir möglich ist; denn Husch ist leidender geworden durch mich, viel leidender. Ich hätte sie mehr schonen sollen.«
»Noch mehr?« fragte Do. »Sie hätten sie nach dem Armen Heinrich abschaffen müssen.«
In Maria Reh aber ging eine ungeheure Fülle von Lichtern an – es waren ihrer so viele, daß sie geblendet dazwischen umhertappte.
Zuerst wollte sie erkennen, daß Do nun doch an der himmlischen Liebe litte, die sie als einfältige Dichtung der Menschen belacht hatte. War Do in gut gespielter Gefrorenheit all die Zeit her nur zur Seite gestanden voll Erwartung, daß die Stunde ja kommen müßte, in der ihr diese ringende Jugend in die Hände fiel? Hatte man sie mit der Sendung zu Husch's Mutter betraut, damit die beiden schon bei den Vorbereitungen zur Reise unbeobachtet wären?
Es schoß Licht in rasenden Pfeilen um sie her und wurde doch nur langsam Tag.
Aber zuletzt ärgerte sie sich über ihr verwinkeltes Herz und begriff die Stunde als einen Sieg ihrer längst gehegten Ueberzeugungen.