Do ließ Fräulein Veronika an jenem Sommertage auf diese Frage hin auch gleich in ihr Herz spazieren; denn der Jakobus Sinsheimer hatte ja auch dort sein Kämmerchen gemietet.

Wie dann Gwendolin mit den dürstenden Sinnen über Jockele kam, ward ihm nicht gekündigt … aber es hockte sich doch eine frauenhafte, wachsame Eifersucht vor alle Türen dieses Herzens und hatte den Finger immerfort auf dem Schellenknopf.

Darüber ärgerte sich Doris Rinkhaus, sandte Jockele eine Kriegserklärung und führte einen Kampf mit sich selber. Und weil sie auch in ihren Schlummer läuten hörte, reiste sie vor die bunten Tore des Bergwalds und wurde an Tante Veronika zu einer lächelnden Königin über sich selbst.

Maria Reh fuhr gleich das schwere Geschütz der Sittlichkeit auf, als Jockele in Huschs Nebelnetze fiel. Doris Rinkhaus ließ sich von ihr die ›leichtsinnige Lebensauffassung‹ vorwerfen und sagte: »Husch ist ein Irrtum, aber sie ist nur eine Gefahr für den Maler und nicht für den Menschen.« Und dann fand sie das leuchtende Wort, das für Maria Reh zu einem Stachel wurde: »Möchtest Du etwa die sein, an der er seine Jungmännlichkeit schleift?«

Maria Reh fand sich nicht in die Fernen des anderen Geschlechts, die so nahe sind, daß sie sich mit den Händen greifen lassen, aber ihre Rätsel doch nicht enthüllen; sie sticken den Himmel der Nächte mit Sternen und müssen ihn schön und ahnungsvoll erhalten in Ewigkeit.

Am zweiten Tage gingen Do und Jo miteinander auf den Steigen der Jugend. Da sagte Do zu ihm: »Sie müssen Tante Veronika verraten, daß Sie die ›Gruppe aus dem Tartarus‹ zu einer Art ›Berg der Seligkeiten‹ gemacht haben, und daß Sie dann einen Glauben bekamen, der auch diesen Berg zu versetzen vermochte.«

»Ja. Aber es ist grausam,« sagte er. »Ich habe ihr rauschende Briefe geschrieben und habe ihr gesagt, der ›Arme Heinrich‹ wäre nur ein sanftes, sentimentale Lied auf zwei Saiten; die ›Gruppe aus dem Tartarus‹ dagegen würde eine wilde Sinfonie des Schmerzes auf neuen, unerhörten Instrumenten sein.«

»Sie haben da kaum ein Wort zu viel gesagt,« scherzte Do, »denn sogar ein Grabscheit hat mitgespielt.«

»Mir ist heute, als würde ich nie wieder einen Pinsel anfassen! Wäre es nicht am besten gewesen, wenn ich auch die Farbentruhe mit zertrümmert hätte?«

Da horchte Do auf in den Tiefen ihres Herzens; denn in diesen geheimen Kammern lagen heiße und freudige Wünsche, vor denen sie selbst erschrak, wenn sie merkte, daß sie anfingen, sie zu bedrängen.