Da liefen sie in kindhafter Fröhlichkeit über den Waldgrund, der ganz warm war von dem Lichte, das den junglaubigen Bäumen aus den Händen fiel, und sie warfen sich an einen Mooshang. Der war mit einem dünnen Schattennetze überstrickt; die hohen Stauden des Fingerhutes standen umher und hauchten aus den ersten offenen Blüten süßes Gift.
Do hatte diesen roten Zauber im Walde nie zuvor gesehen. Hinter ihnen reckte sich ein schlanker Buchenbestand mit glänzenden Stämmen, der hatte ein goldenes Dach. Vor ihnen trällerte ein fußbreites Bergwasser an einer Kiefernschonung dahin, und der frühe Sommer hatte ihm die Ränder zu bunten Wundern gesäumt.
Jockele stapfte in dem blühenden Glück der Heimaterde herum und brach einen Armvoll davon. Dann setzte er sich neben Do in das gebrochene Licht und suchte aus seinem Herzen hervor, was er dort in der ersten heißen Freude an der Welt zusammengetragen hatte. Da merkte er, daß die ganze Naturwissenschaft noch in feierlichster Ordnung war – selbst das Linnésche System; aber er warf in seiner Freude tiefe und schöne Gedanken über das trockene Rüstzeug der anderen Jahre. Da wurde ein lustiger Tempel aus lebendigen Blumen daraus. Er blätterte weiter in dem Buche des Glücks, das nun längst ganz oben auf dem Regale seiner Erinnerungen gestanden hatte – »Erde, heilige Erde!« rief er und drückte seine Lippen hin ins Moos. Und »Erde, heilige Erde!« rief er und schüttete alle Blüten über Do aus …
»Wann war das doch, wissen Sie – wie ich mit dem Grabscheit den Berg der Seligkeiten zerschlug?«
»Das ist schon sehr lange her,« sagte sie. –
Aber nun ging es doch wunderlich mit Doris Rinkhaus.
Wenn ihr jemand das Wort Schicksal zuwarf, so fing sie es mit hellem Lachen und spielte damit als mit einem goldenen Balle; dann ließ sie es fallen und sagte: »Ach was! Es gibt kein Schicksal!«
Wer das aus ihrem Munde hörte, stellte sich ihr entgegen und dachte: »Wie kann ein so kluges, klares Mädchen solch eine Lächerlichkeit reden!«
»Ich habe noch nie ein Schicksal gehabt,« sagte sie dann; »denn ich habe mein Leben immer nach meinem Willen gelenkt. Es waren Irrtümer da, und es lag Gelingen und Freude daneben – aber Schicksal? Nein und tausendmal nein! Wenn man wach ist, und wenn man stark ist, gibt es kein Schicksal. Aber jeder Tag wird dazu, der mit Händen voll Gaben an Dich herantritt, und Du fragst ihn nicht: was will das werden?«