»Haben Sie denn nicht geschlafen?« fragte er erstaunt.
»Ach, Unsinn,« sagte sie.
»Warum machen Sie solch ein verlorenes Gesicht?«
»Ich hatte mich in einen Gedanken verfitzt. Er war dumm und kindisch.«
Es lag nichts gefestigter in dem Wesen Dos als der Wille, sich das königliche Recht der Selbstbestimmung in allen Stücken zu wahren, zumeist in den Angelegenheiten des Herzens. Der Gedanke, daß sie sich verschachern könnte, hetzte ein ganzes Heer von Gespenstern auf sie.
Und es lag nicht minder in ihrer eigenwilligen Art, die nach keiner Seite hin eigensinnig oder gar verstockt war, sich den Platz an der Seite eines Mannes zu erkämpfen.
Sie wollte nicht ›genommen‹ sein, wie man ein Stück aus dem Schaufenster des Krämers ersteht. Sie haßte lärmende Kleider und Hüte. Sie haßte die im Schwunge stehende Ausstellung, der die Mädchen gemeinhin huldigen, und konnte bitter und verächtlich von ihrem Geschlechte reden, wenn sie in den Zeitungen das verzweifelte Lockmittel der Mitgift ausgestreut fand.
Ihre Empfindlichkeit in diesen Dingen wurde von niemandem verstanden. Am wenigsten von Maria Reh. Man kannte diese Empfindlichkeit auch in der Stadt. Es gingen da Gerüchte von ihrem überschwänglichen Reichtume, aber man wußte, daß sie sich jedem mädchenhaften Flirt gegenüber ablehnend verhielt. Daraus wuchs dann die Sage von der himmlischen Liebe zu Jakobus – Maria Reh war daran nicht schuldlos; denn Do war durchsichtig – wie denn starke Seelen alles Versteckspiel verschmähen – und sie hatte der Freundin nicht verborgen, daß sie den Gedanken als einen lieben Genossen träumerischer Stunden hätschelte: einen Mann durch sie zu einem Sieger des Lebens werden zu sehen.
Als Jakobus die lodernde Stunde hatte und das Feuer seines Zornes über sich und sein Werk dahinrasen ließ, weil er nicht hatte einlösen können, was ihm der Rausch eines schaffenden Glücks versprochen, da stand sie daneben und fiel ihm nicht in die Arme; denn ihr Herz bewunderte ihn und jauchzte ihm zu.