Und sie fühlte, daß sie unter den drei Mädchen, die um ihn gewesen waren, die einzige sei, die Seite an Seite mit ihm stand. Maria Reh lähmte dieser heilige Brand – sie sah Wut und Enttäuschung. Husch sah ein Unglück und ging unter in Mitleid. Aber Doris Rinkhaus erkannte den Sieger.
In jenem Augenblicke verschwieg sie sich Maria Reh; da hatten die Gedanken der Freundin freies Spiel, und sie erinnerte sich an Huschs krankhafte Furcht vor Do und sagte zu sich: »Dieses Mädchen sieht mit ihren wunderlichen Ahnungen in Fernen, die unseren hellen Augen verschlossen sind.« –
Nun streifte Do mit Jakobus durch die heimatlichen Wälder. Sie fühlte, wie ihm das Herz aufging in Frohsinn, aber sie quälte sich mit einem Glück, vor dem ihr bange ward. Darüber verlor sie ihre Durchsichtigkeit für Jo.
Sie kam in dem Kampfe mit sich selbst nicht zurecht; und vor dem einen – vor dem, was die zehntausend anderen für die einsamste Lösung gehalten hätten, prallte sie zurück.
»Ueberlaß es der Zeit!« beriet sie sich und ward eine Stunde lang ganz frei und sorglos. Dann ärgerte sie sich darüber und sagte: »Er hat davongelaufene Jahre einzuholen – ich werde zu einer Feindin an ihm, wenn ich nicht rede!«
Sie war nicht mit ihm gegangen, weil sie in den Wäldern von Ibenheim von ihm hören wollte: »Ich werde keinen Pinsel wieder anfassen!« Aber nun, da er es gesagt hatte, war sie ihren heimlichen Plänen näher denn je.
Sie wußte auch nicht, daß es zuletzt doch nur ihr überlegenes Alter und ihr geschlosseneres Menschentum waren, was ihm seine sanfte Scheu auferlegte. Er kam nicht zu dem Gefühle, daß er ihre Klugheit und klare Art beherrschte, wie es der Mann in ihm forderte – die anderen Mädchen hatten ihm gegeben, was er wollte, er hatte sie gleich in die Hände bekommen, wie er sie in den Sinnen hatte. Und Husch war gar in ihm untergegangen. Doris Rinkhaus aber hatte für ihn immer den Königsmantel um, auch wenn sie im Moose lag und die Zärtlichkeiten des Sommers empfand, als kämen sie ihr von seinen Händen und seinen Lippen. –
Sie hatten Sehnsucht nacheinander, wenn weiter nichts zwischen ihnen war als ein Streifen Sonne und Waldrauschen.
Diese Sehnsucht war für ihn fremd und schön und sah genau so aus wie jene, mit welcher er den Prinzessinnen der Märchen nachgeträumt hatte, die sich von vier Schimmeln mit blauen Federstützen auf den Köpfen in einem goldenen Wagen durch den Wald kutschieren ließen.
Und diese Sehnsucht war für sie ein ganz mädchenhaftes Wünschen nach junger Kraft und einem jubelnden Sieg über sie selbst.