Aber so oft sie dachte, daß ihre Lippen verräterisch rot aufblühen könnten, ward sie noch wachsamer; denn sie sagte sich:

»Wenn ich in diesem Kampf unterliege, komm' ich heim und habe seit zwei Jahren ein albernes Spiel mit mir und den Meinen getrieben …«

Die Schablone des Durchschnitts konnte an diese beiden jungen Menschen gelegt werden so oder so – sie paßte nicht.

Sie waren voll von den Drängen der Frühlingserde, aber sie streiften mit den Spitzen ihrer Finger die Säume eines Himmels, den sie über sich gewölbt hatten in ihrer reichen und glaubensvollen Jugend. – Und zuletzt hatte sich Doris Rinkhaus doch in einen edlen Trotz des Herzens hineingelebt, der für Jakobus eine fremde, unnahbare Herrlichkeit war – er hatte für ihn um kein Mädchenherz gelegen. –

So führten sie ihre Sehnsüchte spazieren im sommerstillen Bergwalde. Eins lief dem Herzen des anderen nach, und sie kamen sich doch nicht näher.

Sie wanderten den weiten Weg zum Forsthaus an der Hörsel und fanden Matthias Prinz und das Zinzilein und das Kleine, dem der Kopf von hellgelben Haarringlein umweht war. Es hieß Maria und konnte sein junges Lachen schlagen wie ein Buchfink.

Sie kehrten zurück in das Haus vorm Walde und hatten die Herzen voll Frohmut. Das Zinzilein war eine schlanke, junge Jägersfrau, war voll Waldfrische wie einst und suchte nach Geheimnissen an diesen beiden, wie sie nach Geheimnissen an Jockele gesucht hatte, als seine Augen voll erster heißer und seliger Ahnungen waren. Die Herzen im Jagdhause jubilierten hinter dem Zaun ihres Glücks, aber das war ein anderes Glück, als es die hochgemuten Träume suchen, die ausziehen, zu erobern.

An diesem Abende rettete sich Do zu Tante Veronika.

Jakobus war bei dem Pastor, mit dem er die Leiden und Freuden des zweiten lateinischen Uebersetzungsbuches, der Musterstücke aus lateinischen Klassikern und des Gallischen Krieges, durchlebt hatte.