»Haben Sie schon mit ihm darüber geredet?« fragte Veronika.
»Nein,« sagte sie, »ich habe aber alles mit mir erwogen seit jener Stunde, in der ich ihn im Baumwinkel die große Leinwand begeistert aufrichten sah.«
»Sie wußten also, daß es damit nichts werden würde?«
»Nein – ich fürchtete es nur. Es hat nichts zu bedeuten. Enttäuschungen, wie sie am Wege wachsen und wie sie auf eine stürmische talentvolle Jugend an allen Enden warten! Es hat sicherlich nichts zu bedeuten,« beruhigte sie.
»Warum wollen Sie ihm das nicht alles selber so schön und glücklich sagen?« forschte Veronika.
Da senkte Do ihre Stirn auf die Knie der alten Frau und sagte: »Ich kann es ja nicht! Er würde mich auch an Sie weisen, weil ich ihm nicht verraten darf, daß ich ihm die Mittel dazu anbiete. Oder er würde sich vorkommen als ein Ding, mit dem ich Versuche machen will, weil ich es mir so in mein närrisches, eigenwilliges Herz gesetzt habe; und er könnte aufwieglerisch werden und sagen: Probieren Sie das mit einem anderen oder mit sich selbst!« Da merkte sie, daß sie um die Sache klug und eindringlich herumredete … »Ach Gott,« sagte sie, »ich müßte Ihnen da wohl noch etwas erzählen, aber Sie wollen es nicht wissen; denn Sie fühlen, daß ich dafür keine Worte finde!« Dann richtete sie sich auf und trat wieder hinter den blauen Vorhang der Nacht: »Denken Sie so: was ich selbst bei meinen Eltern niemals durchzusetzen vermochte, und was ich auch nicht mehr wollte, als ich älter geworden war, das möchte ich nun an Ihrem Sohne zur Tat werden sehen! Ich hoffe, es wird ein großes Glück – hätte ich sonst zu Ihnen davon geredet?«
In den nächsten Tagen war sie oft mit Veronika allein. Veronika sagte:
»Ich bin über die Jahre hinaus, in denen man sich in rauchende Begeisterung sinnt, und ich liebe ein klares und richtiges Sehen. Ich will mit Jakobus sprechen – nein, wir beide wollen mit ihm sprechen; denn Sie sollen sehen, wie er den Gedanken erfaßt. Aber das kann ich Ihnen schon sagen: ich gehe in großer Freude mit Ihnen; denn ich habe mich oft gefragt, ob ich in allen Stücken richtig mit dieser Jungenjugend verfahren bin.«
So wurden sie sich über alles einig. Und am vierten Tage danach, zur Teestunde, baute Tante Veronika sicher und umsichtig den Plan vor ihm auf. Es konnte natürlich kein Geheimnis daraus gemacht werden, von welcher Seite er kam.