Da jubelte Jockele nicht, und er war nicht betrübt, sondern blieb in allerschönster Ordnung und fragte besinnlich: wie es denn mit dem Gelde wäre?

»Sie würde dafür sorgen,« sagte Tante Veronika.

Da sagte er: »Es ist ein sehr weiter Weg, aber er ist verlockend, und Du hast ein großes Vertrauen zu mir.«

Dann ging er hinüber in die Gartenhütte und blieb dort allein bis zur Stunde des Nachtmahls.

Was sollte das heißen? Das kleine blühende Waldmädel hatte zuerst zu ihm gesagt: »Du mußt ein Naturforscher werden.« Und nun wachte dies Wort eines Kindes noch in dem alten, lieben Haus und durchlief als Echo alle Winkel und Herzen. Und Doris Rinkhaus, die ihr Leben so fest in den Händen hielt, fing den silbernen Ball und warf ihn ihm zu. Wollte sie damit sagen: »Jakobus Sinsheimer, haben Sie denn an der ›Gruppe aus dem Tartarus‹ nicht erkannt, daß Ihre Kunst bankrott ist?« Wollte man ihm die Einsicht Dos verheimlichen und ihn schonen? Oder dachten sie, daß er durch sein wurzelgründiges Verfahren im Baumwinkel diesen Bankrott selbst angesagt hätte und nun nicht mehr wüßte, wohin er sich wenden sollte? … Wenn er wirklich einmal zu der Erkenntnis käme, daß er damals Maria Reh in einen Irrtum hinein gefolgt sei, in den ihn der Jammer jenes fremden Sterbens im Winterwalde gedrängt hatte – was dann?

Nun, dann mußte er doch noch von neuem zu lernen anfangen, um sich eine Stellung im Leben zu erkämpfen, vielleicht einen mühseligen, armen Posten.

Es war zum zweiten Male, daß er so ans Rechnen geriet. Einst, wenn Tante Veronika die Augen schloß, mußte er sie beerben. Er hatte sich nie um ihre Vermögensverhältnisse gekümmert, Wenn sie ihren kleinen Schatz seinetwegen in diesen letzten Jahren ihres Lebens verringerte, wenn sie in jedem Monate davon nahm, um ihm zu geben – konnte sie ihn nicht eines Tages rufen und zu ihm sagen: »Jakobus, Du mußt nun auf Dir selbst stehen; denn alle Güte und Liebe einer Greisin kann die kleine Truhe nicht mehr mit Gold füllen. Ich habe Dir alles gegeben, was ich hatte, bis auf den kargen Rest, an dem ich mich ins Grab leben muß.«

Was dann?

Sie hatte ihm gesagt, für fünf oder sechs Jahre, und – wenn er mit dem auskommen könnte, was sie für ihn bestimmt hatte – wohl auch noch für länger, wollte sie mit dankbarer Freude für ihn sorgen.

Aber was dann?