Mit dieser Frage in den Augen erschien er beim Nachtmahle.
… »Ich habe wohl ein bißchen in den Tag hinein gelebt,« sagte er; »ich weiß nicht, ob nach der Art der vielen oder nach meiner eigenen. Es schadet nicht, wenn ich besinnlicher werde.«
Er redete das aus einer Versonnenheit des Herzens heraus, in die er in der Gartenhütte geraten war, und es klang, als hätte er ganz vergessen, daß die Frauen mit ihm zu Tische saßen.
»Es ist aber ein wunderlicher Kram, wenn einer sich schieben läßt aus der einen Sache in die andere. Das darf nicht sein, wenn er nahe an die Zwanzig gerückt und ein so langer, gesunder Mensch ist, der schon einmal ein Galeriestück, ein Monumentalgemälde verpatzt hat …«
Darüber wachte er auf und lachte.
»Du sollst gar nicht geschoben werden,« sagte Tante Veronika.
»Ich habe das auch nicht so gemeint,« sagte er und hatte seine hellen Augen wieder. »Ich reise morgen früh nach Weimar und will zusehen, wie man so etwas eigentlich macht. Es ist eine feine Sache, meine Damen,« scherzte er, »aber sie ist für den, der sie angreifen möchte, doch etwas ganz Ungeheuerliches. Heute früh sagte ich noch: ich habe einen solchen Haufen Naturwissenschaft im Kopfe, daß ich mich wundere, wohin das alles über dem Armen Heinrich und dem Tartarus und den Stößen von Akten und Landschaften gekommen war. Ich habe auch gedacht, es ließen sich drei dicke Bände damit füllen – aber nun, da ich nicht mehr damit spielen soll, ist auf einmal nichts Gescheites mehr vorhanden …« Er verfiel wieder in das Alleinsein – »Jakobus Sinsheimer, Du sollst Student werden! Du Waldjunge, Du Schmetterlingsjäger, Du Stein- und Pflanzensammler, Du Zigeunerfindling sollst an die Türen der Hochschule klopfen und Einlaß fordern! … Es sitzt da einer an seinem Tische und fragt: Auf welchem Gymnasium waren Sie?«
»Auf keinem.«
»Wo haben Sie Ihre Zeugnisse?«
»Es sind keine da.«