Gwendolin hatte Weimar im September für immer verlassen. Ehe sie ging, hatte sie ihn noch mit Felidora Ritter bekannt gemacht. Das war etwas ganz Neues, Schlankes und Schwärmerisches. Sie sah aus wie ein reifes Kornfeld mit Mohn und Cyanen und war Kunstgewerblerin. Sie war eine von jenen, welche die Männer – wenn sie brünett und sehr jung sind – schon über dem Begegnen in gehobene Stimmung versetzen. Dazu kam für Jockele, daß sein Herz einen Sommer lang verwaist gewesen war wie nie im Leben. Da zog er alle Wimpel und Segel hoch und fuhr der ährenblonden Felidora entgegen.

Es war eine lumpige Zeit. Sein Herz hing wie die Weltkugel aus Blech an einem dünnen Faden und pendelte, wohin er es stieß.

Manchmal fiel ihm ein, daß die Prüfung nahe wäre. Er hatte da einen Stapel Bücher auf dem Tisch und schlug hin und her eins auf: dürftiger Kram, den er kannte, und der neben ihm lag. Und davor hatte ihm auch nur eine Stunde gebangt? – Es sah in ihm aus wie in seinem Häuschen, das er den Sommer über selbst in Ordnung gehalten hatte. Das Gartenhaus Dos stand nun seit zwei Monaten mit geschlossenen Augen …

Darüber bekam die tiefe Schattenstille und grüngoldene Einsamkeit Stimme und sagte: »Jakobus Sinsheimer, was ist das mit Dir? Da sitzt die blonde Felidora in dem Stübchen Gwendolins – warum nimmst Du sie Dir nicht? Es ist ein feines, hohes und sommerliches Mädchen …«

Er ließ sein Herz reden, bis es durstig wurde. Dann lief er mit begehrlichem Munde zu ihr. Und als er sie fand, führte er sie auf dem alten Wall unter den hohen Kastanien durch die Schlüpfe im Zaun.

»Eigentlich fürchte ich mich vor Ihnen,« sagte sie. »Auf diesem Weg ist Gwendolin und Husch und Minchen Herzlieb gegangen und Maria Reh und Doris Rinkhaus. Alle in zwei Sommern. Es ist ja ein ganzes Heer …«

»Und Felidora, meine große Sehnsucht,« setzte er hinzu. »Die anderen sind alle von selber gekommen, aber Felidora hab' ich gesucht – schon seit einer Woche.«

Da ging sie mit in den Baumgarten.

Sie hatte ein buntes und freudiges Kleid an, und in ihrer Stimme war ein Klang aus sommerlichen Feldbreiten, voll von zitterndem Glanze.

Jockele dachte: »Man möchte sich an Dich hinschmiegen wie in die Aehren, die über den Sommerrainen wehen.«