»Wir gehen an beiden Abenden hin. Schade, daß nicht auch solch ein halbverblödeter Wedekind dabei ist – ich meine, man könnte sich da gleich ein paar nette Rollen aussuchen,« lachte er bitter. Aber draußen unter den Bäumen, durch die eine nachmittägliche Drossel silberne Fäden zog, fand er sich und ward wieder ein brauchbarer Mensch.
Sie sagte, an den Tagen, an denen sie ins Theater gingen, wollte sie nicht kommen. – Er war froh, als diese Tage vorbei waren; denn danach trieben sie ihre junge Liebe wild und königlich in die Blüte.
Er hatte sich eine Frau verschafft, die das Häuschen festlich machen sollte zu Felidoras Geburtstag; er war am fünften Oktober, sie wurde da einundzwanzig.
Man sah vom Wall aus in die Gärtnereien hüben und drüben, über die der Herbst alle Brunnen seiner Kraft ausgoß an Astern und Dahlien. Es war eine ausgelassene Farbenlust, und die Kastanien taten ihre goldenen Königsmäntel dazu um. Auf den Feldern loderten die Kartoffelfeuer – es waren die Tage, in der sich Frühling, Sommer und Herbst zum Ringelreihen finden und noch einmal alle Vogel- und Menschenherzen abschießen.
Jockele hatte das kleine Haus für Felidora von allen drei Jahreszeiten rüsten lassen; denn seine Seele feierte schon seit einer Woche Hochzeit.
Am fünften Oktober, der wieder voll Sonne war, daß sie über die Fensterstöcke hereinquoll und über die Sündflut seiner Sinnenfreude klingend dahinströmte, entlockte ihm Felidora das Gelöbnis: er sollte zu dem Regisseur gehen und ihm das Hexenlied vorsprechen. Er konnte auch sagen »Ich zählte zwanzig Jahre, Königin,« oder den Melchthal – er hatte in den Stunden, in denen Felidora nicht bei ihm war, ein bißchen in den Klassikern herumgelernt. Aber er ahnte das wartende Gelöbnis da noch nicht, sondern nur das Verlöbnis, in das er sich in seiner Art wieder einmal mit aller Frische und Vergessenheit hineinschwang.
Es war noch ein Hundertmarkschein vom Armen Heinrich her dagewesen, den er in der kleinen Standuhr verborgen hatte. Aber die Theaterfreude Felidoras war nun auch über den gekommen, und in diesen fünften Oktober rollten die letzten beiden Zwanzigmarkstücke, rollte sein Herz in purpurrotem Leichtsinn, rollte die Warnung Gwendolins, sich nicht immer gleich zu verheiraten, rollten Gott und Teufel in ihm …
Am anderen Morgen, als die Blüten alle angewelkt waren und ein Herbstregen in grauer Unerbittlichkeit an die Fenster klapperte, gellte das wachsame Uehrlein in seinen späten Schlaf. Es hatte schon die Sechs und die Sieben ärgerlich gerufen, aber die Acht schrie es unheimlich und angstvoll.
»Du, ich glaube, die Frau ist draußen und will ins Haus.«