Der Roman ›Jockele und die Mädchen‹ ist zu Ende; denn was nun kommt, ist eine sehr verständige und sehr symmetrische Geschichte, die mit einem Examen anfängt, mit einem Examen fortfährt und mit einem Examen endigt. Jockele bestand die Prüfungen alle drei – und was hernach kommt, heißt ›Jockele und seine Frau‹, darf aber nicht beschrieben werden …

Weil der Himmel einfiel und kein Halten war, stürzte Jakobus Sinsheimer im Nachthemd in die Hosen. Was aus dem Nachthemd herausschaute, überschüttete er mit kaltem Wasser. Die Aufwartefrau erkannte inzwischen den Zweck des Blumenfestes; sie vergaß, den schwarzen Schulterkragen abzulegen und drängte dem Jockele das Handtuch und die Zahnbürste auf. Felidora war ein wenig kärglicher gekleidet und hob ihn in Weste und Joppe. Er ergriff die Mappe mit dem Schreibpapier, stülpte sich den Hut auf wie damals, als er die Laute der Verzweiflung erstehen wollte, die Krawatte schwang er in der Rechten, daß sie hinter ihm zur Tür hinausflatterte – er knüpfte sie unter den triefenden Kastanienbäumen. So stürmte er dahin. Die Stufen vom Horn hinab in den Park. Ueber die Naturbrücke. Ins Fürstenhaus. In den Prüfungssaal …

Da wunderte sich der Herr Professor Redslob ein bißchen; denn das Thema zum deutschen Aufsatz hatte er längst gegeben, und viele Federn knirschten schon eifrig übers Papier. Aber er lächelte seine duldsame Freundlichkeit über Jockele dahin, auch ohne das Erlebnis ganz zu durchschauen – denn das wird ihm erst in diesen Zeilen verraten – aber Jockele hatte seinen Lokalruhm. Deshalb kam ihm der Professor entgegen und sagte: »Na, Sie werden wohl eine überzeugende Abhaltung gehabt haben – Witterungsverhältnisse oder so,« und er nannte ihm das Thema in Geduld noch einmal. Dann rückte sich Jockele in den Unbequemlichkeiten des für die obwaltenden Umstände viel zu geräumigen Nachthemds zurecht, überzeugte sich, daß er auch wirklich da wäre, und fing an, sich die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst zu erwerben. Nach acht Tagen hatte er auch ›das Mündliche‹ bestanden.

In dieser Woche, die zwischen Anfang und Ende der Prüfung lag, ereigneten sich zwei Dinge für ihn.

Zuerst bekam er einen Brief aus Ibenheim. Der verkündigte ihm, daß Doris Rinkhaus mit Tante Veronika eine frohe Fahrt über die Alpen angetreten hatte – sie wollten in Sestri-Levante und Nervi den Winter verbringen. Do schrieb, daß sie erfahren hätte, wie Tante Veronika, seit sie Jockele aus dem Walde gezogen, in Enthaltsamkeit und selbstvergessener Sorge für den Jungen, außer der raschen Fahrt nach Weimar, Ibenheim nicht verlassen habe; darum hätte sie die alte Dame aufgeladen und sei mit ihr in den Frühling an das Südmeer gezogen.

Darüber kam Jockele zum drittenmal ans Rechnen, und er hatte feierliche Gedanken und sagte: »Was hat diese Tante Veronika für ein opferfreudiges und großes Herz! Und was ist diese Doris Rinkhaus für ein tapferes und königliches Mädchen!«

Er hatte überhaupt gute Vorsätze in dieser Woche; denn gute Vorsätze haben ihren Platz zwischen den Schwellen und sind einundeinhalb Meter lang. Deshalb reichen sie noch einen Schritt weit über jede Schwelle hinweg. –

Das andere Erlebnis betraf Felidora.

Sie hatte am sechsten Oktober gegen Abend die delikate Annäherung eines jungen Bankbeamten gehabt, den ihre Sommeraugen und ihre ährengelbe Feldstille ernsthaft sehnsüchtig nach ihr machten. Da erteilte sie sich einen Generalpardon und zog schuldlos und schön dem neuen Glücke nach.

Das gestand sie Jockele, und er stieß ein teilnahmsvolles »Oh!« hervor; er sagte ihr auch, daß er nicht verständnislos für ihre Wünsche sei, und daß sie gute Freundschaft halten wollten – er selbst ginge mit Semesterbeginn nach Jena studieren.