Da quittierte sie ihm über das seelenvolle »Oh!« mit einem bedauernden »Ach?« Und er erfaßte ihre beiden Hände und sagte: »Du schönes, hohes Mädel! Und nun mußt Du mir mein Wort zurückgeben; die verrückte Stunde, in der Du mich zum Komödianten machen wolltest – wo ist sie geblieben?«
Es schienen danach noch sonnige Oktobertage um das kleine Haus im Baumwinkel.
Da bereitete sich Jockele zum Auszuge. Er kramte viele welke Zeichen des Erinnerns unter den mancherlei Dingen hervor, die er mit hinübernehmen wollte in das neue Leben.
Als er seine Wohnung aufkündigte, erfuhr er, daß auch Maria Reh nicht mehr in das Gartenhaus zurückkehre. Nun hatte Doris Rinkhaus die weiße Stille oder grüne Einsamkeit ganz allein, so oft sie darin leben wollte.
In diesen letzten Tagen stand Jockele einmal gegen den Zaun gelehnt, an dem er die ›Gruppe aus dem Tartarus‹ gemalt hatte, und ließ die vielen Bilder lieben Zusammenlebens der beiden Jahre durch seine Seele gehen. Da merkte er: Doris Rinkhaus leuchtete über alle hinweg und stand als ein großer, schöner Stern an dem Himmel, an dem nun die Nacht des Vergessens heraufziehen sollte.
Da wurde ihm, als wäre alles Licht von ihr gekommen, und als hätte sein Herz keiner andern gehören können, weil sie es fest in ihren Händen hielt. Warum hatte er ihr dies nie sagen können? Es drängte ihn, ihr die Stunde, diese letzte Stunde im Baumwinkel, zu beschreiben und ihr zu sagen, wie er seine Arme nach ihr ausgebreitet hätte. Aber ihr blondes Königinnentum verbat sich das. Und er – – so zwischen den Schwellen! –
Es wachsen in dem Winkel, in dem der Zaun des Tartarus gegen den Grenzzaun nach dem Wall stößt, drei Kastanienstämme aus einer Wurzel.
Zu dem einen trat er hin und schnitt mit dem Messer ihren Namen in die Rinde: Do – groß und tief. Und durch das D grub er ein J. Wer nicht wußte, was diese Zeichen bedeuteten, der mochte lesen »Dio« – es waren ihre Namen, beide in einem.
Wenn Doris Rinkhaus wieder einmal auf der Schwelle zu dem Gartenhause stand und ihre Augen wandern ließ über die Stellen frohen Beisammensein aus den glücklichen Jahren, dann mußte sie die Zeichen im Stamm entdecken. Sie allein unter allen Menschen, die hierher kommen würden, verstand sie.