In den langen Sommerferien reiste er nach Ibenheim.
Tante Veronika tat freudig geheimnisvoll, und eines Tages ging sie mit ihm zur Haltestelle der Bahn – so ganz von ungefähr, und war stolz auf ihren glücklichen, langen Studenten, der voll von grausam gelehrter Weltbetrachtung war.
Da lief der Zug ein, und Doris Rinkhaus stieg heraus und stürzte der alten gütigen Frau ans Herz.
Und weil Jakobus zur Salzsäule geworden war, da er auf das leuchtende Wunder hinschaute, sagte sie: »Na, Jockele?«
Da zersprang er – »Do! Do!«
Die Welt ging unter, und er hatte gerade noch Zeit, Doris Rinkhaus zu retten, und trug sie auf seinen glückseligen Armen über den Bahnsteig und in seinem Herzen, in seinen Augen hinauf auf den Berg ins Frühlingshaus.
Da hatte er sein zweites Examen bestanden – summa cum laude. Es dauerte viele Tage, aber das Zeugnis bekam er schon am ersten.
Wie Do und Jo ›Du‹ zueinander sagten, und er längst keine Scheu mehr vor ihrem Königinnentum hatte, ließ sich auch Tante Veronika das Gelöbnis der Verschwiegenheit zurückgeben. Es war eine schöne und helle Stunde, in der sie ihm ihr Herz aufschloß – diese Stunde sah aus wie Doris Rinkhaus. Aber Do war hinausgegangen; denn Jockele war in allen Stücken gewachsen, seit er mit Gwendolin das lebende Bild in der Fasanerie gestellt hatte. Sie ahnte, was käme, und wollte dazu ganz allein mit ihm sein.
Danach fing er an, Hochzeit zu feiern, und sagte: das Gartenhaus am Horn riefe nach ihr, und er malte es ihr mit Worten von Herrlichkeit und Sehnsucht. Aber Doris Rinkhaus sagte: »Ich werde auch wieder einmal in dem Gartenhause wohnen – da nehm' ich Tante Veronika mit, und es wird sehr fein.«
Wieder verging ein Jahr, wieder hatten Do und Tante Veronika den Winter im Frühling des Südens verbracht, und wieder saßen Do und Jo in den Sommerferien vor dem thüringischen Buchenwalde. Da erzählte ihr Jockele viel von der ›Entwicklung der Organismen aus eigener Kraft durch die physikalische und chemische Energie der lebendigen Substanz‹, viel von ›plastischem Distanzgefühl‹ und wie die Natur die wundervollsten Kunstgebilde schaffe. Er erzählte ihr, daß er diesen Kunstgebilden nachginge, und just wie einst male er, was er sehe; und er schreibe dazu, was er erkannt hätte. Und daß dies eine Förderung der Wissenschaft bedeutete. Noch ein Jahr wollte er daran arbeiten, dann wollte er das Werk einreichen und damit zum Doktor promovieren. Es wurde fertig und hieß ›Der Kunsttrieb der Natur‹.