Ob es ein Junge oder ein Mädel gewesen wäre?

»Es war ein Knabe, und in der Nähe des kleinen hellgrünen Hauses am Waldrande war eine Sandkuhle. Ist da nicht ein grünes Haus in der Nähe, bei dem eine Sandkuhle ist?«

»Es sind etliche Sandkuhlen in dieser Gegend und wohl auch mancherlei grüne Häuser,« sagte der Wirt, aber es war, als liefen ihr seine Gedanken nun doch entgegen. »Was haben Sie denn mit jenem Kinde zu tun?«

»Ich bin die Mutter. Ich habe es auf die Schwelle jenes Hauses gelegt – es war in einer grauen Frühe und war im hohen Sommer. Ich dachte: in diesem Hause müßten gute Leute wohnen – es war alles blank und sauber daran.«

Da redeten die Wirtsleute leise miteinander, und weil sie dachten, es wäre besser, dies Weib wäre nicht unter ihrem Dache, rückte die Wirtin ihren Stuhl herzu und sagte: »Es ist in der Tat einmal von einer solchen Sache geredet worden« – was es denn wäre, das sie nach so vielen Jahren herzöge?

Menschen, die von Reu' und Glauben voll sind, schließen leicht alle Türen ihres Herzens auf … und die Zigeunerin erzählte: es lebe in ihrem Volke die Gabe, das Künftige zu erschauen, und es hätten ihr drei weise Frauen ihres Stammes gesagt: ihr Kind lebe, aber es könne keine Rast finden hier und dort …

So erzählte sie aus der Not ihres abergläubigen Herzens eine verworrene Geschichte von silbernen Ohrringen, deren einen sie trüge und die wieder zusammenkommen müßten, und sie erzählte eine noch viel verworrenere Geschichte von den Seelen, die sich gleich den getrennten Ringen suchten über Zeit und Ewigkeit hinaus.

Nicht die irrende Not dieses Weibes, nicht das Elend ihres verkümmerten Leibes hatte bei den Wirtsleuten vermocht, was der närrische Glaube ihres Herzens vollbrachte …