Jockele besann sich in seiner Bestürzung auf kein Wort, das er ihr sagen sollte. Er legte sein Malzeug ins Gras und ging in das kleine Haus, das noch ganz voll war von dem hellen Scheine, den Tante Veronika gestern hindurchgeschienen hatte. Er setzte sich auf den Stuhl wie ein Reiter in den Sattel, kreuzte die Arme über der Lehne und legte das Kinn darauf. Er machte sich schwere Bedenken über die Menschen, mit denen er in diesen Monaten zusammengetroffen war. Darüber wurde es ganz finster in ihm, und in der Finsternis standen zwei sehr helle Sterne, die hießen Veronika und Doris; und es glimmten noch zwei kleinere in weiter Ferne herauf: das Zinzilein und Matthias Prinz.
Zum ersten Male kam ihm der Gedanke, der heimliche Friede des Frühlingshauses könnte daran schuld sein, und sein Leben wäre zu weit abgerückt gewesen von dem der anderen. Er saß eine Stunde und sann sich brunnentief in den Gedanken: er wäre wohl ein Mensch, der nicht zu anderen paßte; denn in Doris Rinkhaus war über der wilden Geschichte mit Hartwig nicht eine einzige Kerze verlöscht von den vielen, die in ihr leuchteten. Und in ihm sah es aus, als wäre er in ein Burgverließ gestoßen worden.
Da ging er wieder hinaus und nahm sein Malzeug auf und setzte einen Farbenfleck neben den andern. Aber es kam nichts zustande; denn seine Gedanken flogen umher wie Tauben, die sich nicht mehr zu ihrem Schlage finden.
Doris Rinkhaus kam, und er sagte zu ihr: »Es ist eine verrückte Sache, und ich bin darüber ganz von mir selber gekommen. Haben Sie Lust? Ich möchte mit Ihnen in die Welt laufen – vielleicht entdecke ich da den Jockele Sinsheimer in irgendeinem Waldwinkel; denn der jetzt mit Ihnen redet, heißt etwa Emil Meyer.«
Da machten sie sich fertig und gingen durch die Pforte im Zaun über die Raine und kamen in den Kastanienwald, der an der Viehleite nach Oberweimar liegt.
»Warum sind wir eigentlich noch nie so miteinander gegangen?« fragte er. »Es sind doch Ferien, und es ist Sommer in der Welt.«
»Weil Sie immer fleißig gewesen sind und auch gar keine Wünsche hatten.«
»Es ist richtig – ich habe kaum gemerkt, daß ich bis zum Rande voll Glück war. Aber durch die mancherlei Erlebnisse ist darüber vieles in den Sand geronnen.«