»Es kommt auf das Herz an,« sagte er. »Sie streichen das in einer wilden Lichtlust daraus hervor, und jedes Ding stellt sich dagegen, wie sich die Wolken stellen gegen die Feuerfanfaren, die der Himmel über das Sterben des Tages bläst. Mir ist bange gewesen vor Ihnen, aber ich schäme mich nun nicht – wenn Sie Wasser sehen, malen Sie Perlen, und wenn Sie Licht sehen, malen Sie Jauchzen. Ein Feld voll Blumen wird auf dem Wege durch Ihr Herz zu einem taumelnden Märchen oder zu einem himmlischen Farbenrausche. Aber ich male die Erde …« So redete er sich in Flammen.

Gwendolin sagte: »Meine Bilder sind Lügen für jeden, der die Wirklichkeit nimmt und damit ein zentimetermäßiges Messen an ihnen beginnt. Aber für mich ist es Wahrhaftigkeit; denn es ist künstlerisches Erleben.«

Dann traten sie zur Staffelei Jockeles. Es stand ein Idyll darauf, das versickerte – letzte Blütenfreude des Sommers – in dunkelgrüne kühle Waldestiefe.

»Ich kann das nicht,« sagte sie – »Sie suchen die Seele einer Handvoll Welt, und ich blase eine hinein, die mir gerade paßt.«

Da nahmen sie ihr Malzeug auf und trugen es ins Dorf, saßen in dem Baumgarten des Gasthofs und aßen Pflaumenkuchen.

»Wann gehen Sie?« fragte sie.

»Heute nicht,« sagte er und bestellte ein Zimmer für die Nacht.

»Das ist fein. Da machen wir eine Waldstreife. Also los!«

Den Band Gedichte nahm er mit. Im Ettersburger Schloßgarten fiel das Blühen über sie. »Ich kann mir denken, daß Ihre Lichtfreude hier wohnen muß, Gwendolin!« sagte er voll Innigkeit. Ueber die blaue Weltenwiese jauchzt die Sonne im goldenen Sechsergespann, aber im Garten von Ettersburg geht sie spazieren; draußen ist sie das große Licht, hier ist sie sanftes Leuchten; draußen ist sie Sieg, hier ist sie Liebe; und die Menschen werden leise auf diesen Wegen. Die Tage liegen darauf wie Falter mit breiten Schwingen – der Schloßgarten von Ettersburg ist ein ewiges Ostern der Herzen … Darüber gerieten Gwendolin und Jakobus immer tiefer in sich hinein.

Es war, als wären sie allein auf der Welt.