Nun schlug er alle Türen weit auf und trat heraus und sagte: »Es war fein! Gwendolin ist ein süßes, heißes Mädel.« Er wollte mit vollem Atem das Lied vom ersten Liebesrausche blasen, aber die Worte lagen neben dem Erleben wie welke Blüten. Da sagte er: »Ich will Gwendolin heiraten!« und hatte damit einen Heiterkeitserfolg. Es war schrecklich – bei dem dramatischen Höhepunkte, bei der Stelle, die er mit wahrer Heldengröße herausgeschleudert hatte, bekam Doris Rinkhaus das ungeheure Lachen! Und der Vorhang mußte heruntergehen. Sie lachte sich auch durch die Pforte im Zaun und sagte: »Sie sind heute abend zu ulkig! Sie dürfen deshalb ausnahmsweise noch eine Stunde zu mir herüberkommen. Ich muß Ihnen eine Kerze geben; denn es sieht in Ihrer Wohnung aus wie in einem Lagerhause.«
Sie bereitete in der Küche das Nachtmahl; Jockele entzog ihr seine Mitarbeit und dachte in der dunklen Stube darüber nach, wie sich das Spiel für ihn gewinnen ließe.
Als sie gegessen hatten und der Samowar summte, setzte sie sich wieder in den vorigen Gang. »Haben Sie schon Bestimmungen über die Hochzeit getroffen?«
Da schwieg er sie gekränkt an; sie aber nahm noch mehr überhand. »Mein lieber Junge Jo, wenn Sie nicht so grausam lächerlich aus diesen ersten verliebten Stunden hervorgegangen wären, würde ich sagen: Mein werter Herr Jakobus Sinsheimer – es senkt sich zwar schon der sachte Schatten eines Bartes auf Ihren verräterischen roten Mund, aber mit dem Gewaffen holder siebzehn Sommer läßt sich ein leidlich befestigtes Mädchen nicht fürs Leben erobern! Sind Sie denn wirklich so einfältig, zu meinen, eine Kette angereihter Küsse hielte über ein paar Meilen Zeit? Und glauben Sie, Sie wären der erste, der Gwendolin Vogelgesang hübsch findet? Und das ›süße heiße Mädel‹ hätten Sie entdeckt? Meinetwegen küssen Sie sie ab, soviel sie es verdient – aber geraten Sie darüber nicht in Unordnung und reden Sie nicht ein tragisches Pathos übers Land.«
Er kreuzte die Arme vor der Brust, und auf seiner Stirne stand kalter Schweiß. »Was geht Sie denn das alles an, daß Sie so in Harnisch geraten?«
»Es täte mir leid, wenn Sie vor sich selbst lächerlich würden,« sagte sie. »Sehen Sie, wie Sie neulich aus dem wildgewordenen Herzen mit feurigen Buchstaben etwas von ihrem Frühlingssturm auf ein Stück Papier schrieben und es mir vors Fenster hingen, das war jung und gesund. Und jung und gesund ist es auch, wenn Sie mal über die lange Gwendolin kommen – aber daß Sie jede Seifenblase für eine Weltkugel halten und den Eroberer spielen, das ist Ihr hartnäckiges Mißgeschick.« Sie steckte eine Kerze an und gab sie ihm in die Hand: »So, und nun leuchten Sie sich mal nach Hause.«
Da sagte er: »Wenn ich Sie nicht bis zu dieser Stunde für einen Ausbund von Klugheit gehalten und nicht allerlei Ursache zur Dankbarkeit gegen Sie hätte, würden wir uns morgen kaum noch kennen, Fräulein Rinkhaus!«
»Sie, das ist ein famoser Einfall,« lachte sie – »betrachten wir diese Stunde als Mobilmachung zu einem achtwöchigen Kriege! Am ersten November wird Friede geschlossen.«
»Und wenn ich dann noch Krieg will?«