»Mir auch recht!« lachte Do.

»Ich gebe mein erlösendes Einverständnis. Gute Nacht.«

Sie drehte den Schlüssel schon feindlich im Schloß herum.

»Do hat ihre giftiggelbe Eifersucht vor mir verbergen wollen, und damit ich es nicht merkte, hat sie Esel zu mir gesagt,« dachte er. Aber nun, da er durch das Stück dunkelblaue Spätsommernacht stieg und die Linke vor das kärgliche Fünkchen Licht hielt, kam er sich wirklich sehr komisch vor – diese Rolle mit der Hand vor dem bißchen Flamme hatte er den ganzen Abend gespielt. Und gestern – vorgestern sicherlich! – hatte er geglaubt, es wäre so etwas wie der große Brand in ihm, den der Sommer des Abends vor den Toren der Welt für Himmel und Erde aufführt.

Er leuchtete sich in einen mäßigen Schmerz hinein, der sich über dem Haufen mit Latten verschlagener Möbelstücke zu einer tiefen Verstimmung auswuchs. Die Liebe, mit welcher Tante Veronika und Mali diese Dinge ausgewählt und verpackt hatten, wollte sich heimlich an sein Herz schmeicheln, aber sie war ihm peinlich: die treuen alten Mädchen hatten das im Frühlingshause mit der Sonne ihres Vertrauens für ihn umschienen – vielleicht in der gleichen Stunde, in der er sich draußen am Waldrande gewälzt hatte wie ein jähriger Hirsch …

Er fuhr in ein Land tiefen Nebels hinein und verbiesterte sich …

»Was ist das wieder mal für eine Sache, die Du da aufgemacht hast, Jakobus Sinsheimer! Es ist der niederträchtigste Vertrauensbruch, der einem Menschen je Scham auf die Stirn getrieben hat. Du kommst Deiner Tage zu nichts – gib's auf, Jakobus Sinsheimer, Du bist ein Zigeuner. Wie ein Zigeuner hast Du den Wald zum Nachtquartier gemacht …«

Er nahm wieder einmal Seifenblasen für Weltkugeln! Da schlug er mit der flachen Hand auf das Zünglein Licht und warf sich aufs Bett und wühlte sich in eine wilde Selbstverachtung hinein. Auf einmal hüpfte Gwendolin aus dem zähen Nebel und war vergnügt wie der Frühling. Das Wildrosenkleid war längst ausgeplättet, ihr Mund blühte wie roter Mohn, und die ganze Nacht wurde zu tausend feuerroten Blumen. Er lag mitten darin und schlief ein.

Am Morgen, als er sich in den Kleidern auf dem Bette fand, fiel ihn der Jammer an. Aber er raffte sich zusammen, zog andere Wäsche und Kleider an und begann auszupacken.

Tante Veronika und Mali, manchmal auch das Zinzilein, waren dabei immer um ihn, und er werkte sich in eine vergessende Freude.