»Ich danke Ihnen tausendmal,« sagte das ältliche Fräulein mit jenem norddeutschen Ausdrucke, den er selbst von Tante Veronika angenommen hatte. Da faßte er Mut –

»Darf ich mir als Finderlohn die Erlaubnis ausbitten, alle Anmerkungen in einen eigenen Band zu übertragen?«

»Gerne, wenn wir einen Weg dazu finden,« antwortete sie. »Ich komme von weit her – ich bin eine Sucherin nach herrlichen Schätzen, mein Herr – eine Schatzgräberin in des Wortes ursprünglichster Bedeutung: ich werde den Faust finden, von dem Goethe in seinen Tagebüchern redet als von dem ›Hauptgeschäft‹. Diese letzte Fassung ist der Welt noch vorenthalten; er selbst redet von einem Schelmenstück, das er damit beabsichtigte – bis ins Jahr 1775 zurück läßt sich das Vorhaben verfolgen, dies Werk den Augen der Menschen zu entziehen – und er ist hingegangen in den Garten Am Horn zu Weimar und hat während der letzten Jahre seines Lebens die Vorbereitungen getroffen. In jenem Garten, in den er seinen ewigen Tempel baute, hat er am 16. August 1831 die Handschrift vergraben.«

Das alles kam aus einem lodenen Fräulein und unter einem Jägerhütchen hervor und stürmte auf ihn ein mit kühn vorgehaltenem Fahnenschafte.

»Ah,« sagte er, »und wenn ich recht verstanden habe, so wollen Sie diese endgültige Fassung des ›Faust‹ im Garten des kleinen Hauses entdecken?«

»Ich werde sie entdecken!«

»Dann – dann müßten Sie aber wohl den ganzen Garten umwühlen?«

»Oh, ich werde die Stellen zu bezeichnen wissen!«

»Das ist ja ein Fund, der die Welt erschüttern wird!« stammelte Jakobus. »Ich fange an, die Hand einer gütigen Vorsehung zu erkennen,« sagte er, schon mit allen Sinnen hineingebettet in den schwärmerischen Ton des Fräuleins Erika Flucht – »mein Weg führt mich täglich an jenem Garten Goethes vorüber … Haben Sie ihn vorhin nicht den ewigen Tempel genannt? Auch ich wohne in einem Gartenhäuschen am Horn.«

»So seien Sie mir gegrüßt!« rief sie, reichte ihm die Hand und versprach, ihm noch an diesem Abend die Bezeichnung ›der ewige Tempel‹ zu erläutern. Dann erhob sie ihre Stimme und sprach, mit einer großen Geste nach Weimar: