Zuerst verlor er Gwendolin. Sie kam noch ein paarmal, dann stürzte er sich in ein ausgelassenes Malen. An einem verschneiten Tage betraf ihn Maria Reh dabei, wie er Stöße bemalter Leinewand in den Schuppen hinter dem Hause trug – um die Holzdieme im Zwetschengarten hatten sich Sturm und Winter gejagt, und die Schuppentüre lag hinter einer Schneelast. Da wühlte er sich Bahn und warf alle Landschaften der anderen Zeit zu Staub und Moder. Dann verfiel er in einen unwirschen Fleiß und verlernte darüber zu lachen und zu reden. Er sah die Freundinnen aus dem Gartenhause tagelang nicht, wußte nicht, was sie trieben, und es kümmerte ihn nicht, ob sie daheim oder verreist waren. Er verbrachte Wochen in der Akademie, er verbrachte lange Tage in der Büchereinsamkeit seines Hauses. Es gingen alte und junge männliche Modelle darin ein und aus, und es kam auch ein ganz junges blondes Mädchen der Armut mit einem Madonnengesichte. Die hatte ihm die Aufwärterin zugeführt.

Danach entließ er die Frau und hatte die jungen sechzehn Jahre der Husch um sich; die behauptete, sie wäre auf diesen Namen getauft.

Er gebot über ihre junge unterwürfige Jugend wie er wollte. An ihrer sanften Schönheit sannen sich seine Augen in Träume wie vor dem Bilde des Mondes; und die Kümmernis ihrer Jugend erbarmte ihn. Sie lebte sich in ihn und das kleine Haus hinein als in ein fremdes schönes Glück und litt an der Ahnung, der Märchenglanz werde vergehen, wenn der Schatten von Menschen darüberfiele.

Da geriet sie in eine eifersüchtige Wachsamkeit und haßte Doris Rinkhaus, daß sie zitterte, wenn ihr Name von ihm genannt wurde, und daß sie in Tränen ausbrach, wenn Jakobus drüben im Gartenhause war.

Einmal hatte er mit Do verabredet, Husch sollte für die Damen und ihn in der Küche drüben die Mahlzeiten bereiten, aber sie war nicht dazu zu bringen – »Fordere, daß ich in den Winternächten an der Erde vor Deinem Bette schlafe oder draußen beim Holz,« flehte sie, »aber beschütze Dich und mich vor jener!«

Da machte sie aus dem kleinen Schuppen eine armselige Küche und wirtschaftete darin und aß dort, wenn er nicht daheim war. Des Abends ging sie über den Wall nach Hause, sie bewohnte mit ihrer Mutter eine Mansarde in der Musäusstraße, und war früh vor Tag wieder da und wartete, daß er über sie befahl. Sie waltete in dem Häuschen mit blumenhafter Stille und Hingabe an die Sonne, die darin für sie schien, und dachte: »Wenn diese Sonne untergeht, muß ich sterben.«

Einmal hatte sie ein Märchen von einer Fee gelesen, die in eine Blume verzaubert war. Aus dieser Blume durfte sie um die Mitternacht herausschreiten. Da schlief der Mann, der die Blume in einen Scherben gepflanzt hatte, nebenan in dem Kämmerchen, die Fee aber fegte die Stube und wischte den Staub und trug Wasser herzu und war so leise wie der Sonnenschein, der über die Diele schreitet. Dann zündete sie Feuer unter dem Herde und setzte das Essen daran, daß es sich bis zum Morgen koche; denn sie mußte wieder zur Blume werden, ehe der erste Sonnenstrahl kam – sonst war es um sie geschehen.

Dies Märchen erzählte Husch eines Tages dem Jakobus und ward traurig und sagte:

»Dieser erste Sonnenstrahl – ich muß dabei an etwas ganz anderes denken … davor fürchte ich mich!«