Sie lachte, aber sie sagte ihm nicht, daß sie noch alles hätte um ihn bereiten wollen, was ihre Pflicht wäre. Sie ließ sich auch nicht heimschicken und wurde ganz ängstlich, weil sie fühlte, daß er sie schonen wollte. Da litt er es, aber er sagte: »Du machst mir damit große Sorge, daß Du mir mehr geben willst, als in Deiner Kraft ist. Wenn ich mich und Dich über dem Malen vergesse wie heute, so mußt Du es mir sagen.«
»Ich bin ganz allein daran schuld gewesen,« sprach sie – »ich habe Dich so weit fortgehen sehen …«
Im Gartenhause nebenan bildete diese Sache den Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen Maria Reh und Do. Maria hatte mit Huschs Mutter gesprochen und von ihr erfahren, warum sie da war und nun forderte Maria, sie müßten diesem Zusammenleben der beiden ein Ende machen.
Sie stellte sich dabei auf den Standpunkt einer Fürsorge, der Doris Rinkhaus aufs höchste befremdete.
»Es ist eine Modellgeschichte,« sagte Do, »und was geht sie uns an?«
»Es ist eine Herzensgeschichte, die für beide ein Unglück werden kann,« sagte Maria – »und überhaupt, wie läßt sich so etwas billigen?«
»Billigen oder nicht – darauf kommt es gar nicht an! An irgend einem Mädchen muß ein Junge zum Manne werden! Möchtest Du Dich vielleicht dazu hergeben? Das läßt sich dann nicht immer über den Spießerleisten schlagen, und ich finde es sehr sonderbar, daß gerade Du Dir dabei eine Rettungsmedaille verdienen willst.«
»Weißt Du denn, wie sich Tante Veronika dazu stellen würde?« fragte Maria Reh.
»Das ist nicht Deine Sache! Aber so viel weiß ich, sie hat Vertrauen zu Jo. Und ich habe es auch. Ich denke: sie würde nicht die Dritte im Bunde sein wollen; aber wenn ihr das Frühlingshaus als der richtige Platz für ihn erschienen wäre, so hätte sie ihn ja wohl daheim behalten. Es ist am besten, wir sehen und hören nichts von allem. Jedenfalls taugt Dein Schürzenschutz nichts für ihn, und wenn ich Jo wäre, so würde ich jeden sehr unsanft hinauskomplimentieren, der mir in meine Tage reden wollte. Basta! Du darfst nicht vergessen, daß die meisten jungen Männer auf dem gesicherten Geleise einer Familientradition hineinfahren ins Leben – Jo aber ist auf eine Schwelle gesetzt und steht noch heute darauf. Ich kann nicht sehen, daß er töricht ist oder mit blinden Augen dahintappt.«
Draußen schloß um diese Zeit Husch die Schlüpfe im Gartenzaun hinter sich zu.