Da sagten die Augen hinter den blühenden Mandeln: »Oh, ich kenn' Dich! Du bist der Maler aus dem Baumwinkel am Horn. Was bist Du für ein ranker, feiner Junge! Ich habe Dich schon durch die Zaunzinzeln gesehen und habe Dich ausgelacht, wie Du auf der Jakobsleiter standest. Aber Du nahmst Dich so wichtig, als müßtest Du den lieben Gott malen, und sahst mich nicht.«
Weil sie Miene machte, ihm den Mandelbuschen herüberzuwerfen, ließ er die Stute ein wenig seitlich treten, und er fing den Strauß …
Drüben aus einem Fenster der Kunstschule guckte Gwendolin und sah das und sagte zu ihrer Nachbarin: »Jakobus Sinsheimer ist dabei, sich wieder zu verheiraten.«
Hinter ihm hatte Liszt indes sein Volk begrüßt, und es begann, vorwärtszudrängen. Da legte Jockele die Hand an den Hut – natürlich für den Frühling, und der Frühling wedelte mit Herz und Händen. Und Jockele stieß den rechten Zeigefinger gegen die Brust und dann dreimal deutend halb nach unten gegen das Fenster, und malte mit den Augen ein mächtiges Fragezeichen in die Luft.
Der Frühling mit den goldenen Schnecken verstand das und geriet in ein beifälliges Nicken: »Ich warte, bis Du kommst, und wär' es bis übermorgen!« Und vorn der Jockele dachte, er wäre Kapellmeister geworden, und schlug mit dem Mandelblütenbusche der Narrenmusik einen flotteren Takt in das Blaszeug; denn sein Herz wollte mit der Musik Schritt halten.
So wurde die Sache, die eben noch feierlich gewesen war, lustig. Von oben herab zischten die Papierschlangen, wirbelten die zitternden Konfetti, und Weimars Ewigkeit schwang sich ein bißchen darüber hinaus aus dem Staube und flog an den hohen stillen Fenstern dahin.
Aber schließlich hat ja auch ein Fastnachtszug sein Ziel. Es war kurzweilig, die Welt in so feuerroter äußerer und innerer Aufmachung zu durchschreiten, aber manchmal stahl Jockele sich doch eine Minute aus den vielen, vielen, die da an bunten Papierstreifen herumhingen, und drückte sie in seiner sattelhohen Einsamkeit voll Inbrunst ans Herz, damit sie ganz ihm gehöre.
Darüber fiel ihm ein, welchen Namen die Kleine im Liszthause wohl hätte?