Da packte Frau Do mit dem Diener Fritz die »Madonna in Rosen« in eine flache Kiste und schickte sie an Rolf Krake. Natürlich durfte Fritz nicht sagen, was er dabei dachte – aber auch für Do war es ein wehmütig Beginnen. Dann setzte sie sich hin und schrieb an Rolf Krake einen klugen und frohen Brief …

Lieber Einsiedler!

Ihr Verlangen war seltsam. Aber wir dachten: Sie wollen einen Menschen um sich haben, über den Sie Ihre weisen und närrischen Gedanken hinausschicken können ins Leben, in das Sie nicht einmal mehr zu Gaste kommen mögen. Sie haben sich einen neuen Garten Eden geschaffen und fordern eine Gehilfin. Da ist sie! Gwendolin sagt: »Geschaffen von den Händen Gottes …«

Sie haben sich nun an einen Platz gestellt, an dem für die Menschen das Narrentum angeht. Wir im Märchenhaus aber sagen: das Narrentum hört dort auf. Jeder soll es treiben, wie es sein Glück fordert; denn auf der Welt gehört nichts inniger zusammen als Leben und Glück. Vielleicht werden die Menschen nun Ihre Insel die »Narreninsel« nennen und sagen: »Es lebt dort einer mit einem Bilde!« Und sie wähnen, Sie wären der einzige.

Die so reden, haben es zwar nicht zu dem Kleinod einer Insel gebracht, aber zu Millionen leben sie sich an ihrem Dasein vorüber und leben – einem Bilde! Meist einem, von dem sie nicht einmal eine klare Vorstellung haben. So kümmern sie sich ihre Straße dahin und kümmern sich ins Grab; aber den frohen Einsamen auf einer Insel nennen sie den Narren.

Sehen Sie, so verstehen wir im Märchenhause den Brief, den Sie an Henrik Tofte geschrieben haben. Er hat ihn uns gelassen als Gastgeschenk. Wir lesen ihn oft und halten unsere Herzen in sein warmes stilles Licht. Erkennen Sie nun: es war ein Traum vom Leben, der Ihnen eingab, das Eiland die »Insel der Auferstehung« zu taufen? Ein lieblicheres Ostern – wer könnte sich vermessen, es zu feiern? Die Menschen sind Schiffer auf dem Ozean. Nach ihrer Insel steuern sie alle: der eine nennt sie die Insel der Auferstehung, der andere nennt sie Märchenhaus – – ihrer sieben gelangen in den Hafen, dreihundert Millionen treiben daran vorüber. »Die Insel finden!« stiller Freund, das ist die Weisheit, das ist die Kraft! Und nun messen Sie Ihr »Narrentum« an diesem Leitsatze des Lebens und sagen Sie getrost: »Es sei wie es sei – meinen Himmel hab' ich mir errungen!«

Ich sage nicht: wenn Sie einmal Lust haben, in die Welt zu fahren, so kommen Sie zu uns! Nein, schlagen Sie Ihre Wurzeln frohgemut in Einsamkeit und Tiefe, und stehen Sie unerschütterlich auf Ihrem Gelöbnis. Aber wenn Sie einmal herüberzureden wünschen in die Welt der Menschen, so fragen Sie – mein Mann und ich werden Ihnen von dieser Welt so viel erzählen, wie Sie hören wollen.

Frau Do.

Nichts als ein Brief! Und in den ersten Worten nicht einmal ganz frei und nicht ohne die Sorge des Weibes, das eines anderen ist. Aber nur in den ersten Worten. Die sollten dem Robinson sagen: »Siehe, so ist mein Bild gemeint! Und weil wir es so meinten, hast du es mit Freuden bekommen.« Aber dann war alle Befangenheit von ihr abgefallen. Sie erinnerte ihn nicht pharisäisch an die große Dummheit seines Lebens und sagte: »Das werden Sie nicht wieder tun« – sondern sie krönte seinen Sieg. Und sie sagte ihm: »Es gibt von alters her auf Erden sieben Weise; sie sterben nicht aus; darum ist ihr Sinnbild zu den Gestirnen des Himmels erhoben. Es sind nicht Sterne erster Größe, aber siehe, du bist einer dieser glückseligen Sieben. Freue dich!«