Von sich selber sprach sie kein Wort. Aber sie ließ ihn ahnen: dein Leben ist nun klug und klar, und es ist ein Leben der Fülle – trotz alledem! Es ist ein Sinnbild für die dreihundert Millionen Toren, die jeden einen Narren heißen, der nicht die Schellenkappe trägt wie sie …

Jockele war zu ihr an den Schreibtisch getreten; das Fenster stand offen, die kleine Heidi lag drunten im Garten in ihrem Wagen und schlief.

Nun sprachen sie von Rolf Krake aus ihren hochgemuten Herzen. Do lächelte und sagte: »Haben wir es denn anders gemacht als er?«

Da sah er sie erstaunt an. »Ganz anders.«

Sie aber machte ihre Siegeraugen. Und er sagte: »So hast du mich nicht mehr angesehen, seit – ich glaube seit damals, als ich die Gwendolin heiraten wollte.« Es war sehr lustig.

»Dann hast du wahrscheinlich in all den Jahren keine so vollendete Dummheit in die Welt gesetzt, liebster Jo.«

»Vor den Siegeraugen hab' ich noch den gleichen Respekt wie damals,« sagte er. Dann zog er sie aus ihrem Schreibsessel empor und führte sie in den Garten, und sie spazierten Arm in Arm unter den schönen alten Bäumen. Es war eine heimelige Stunde, leise und voll von dem warmen Lichte des Mittags.

»Nichts als ein Brief,« sagte er, »aber du hast damit wieder einmal einen Wegstein aufgerichtet für Rolf Krake – und auch für uns. Der Sommer im Fjord war der Reisesommer: es flimmerte fremde Sonne hinein. Dann kam der Winter der Freunde oder der Gesellschaften. Im neuen Frühling fühlte man so sachte vor nach sich selber. Und nun will alles schön und klar werden …«

»Nun haben wir unsere Insel,« sagte sie, und wieder blühten ihre Siegeraugen. »Nun, es ist wohl die Art ernster Frauen, daß sie ihr Leben früher anfangen, bewußt zu leben, früher als die Männer. Vielleicht kommt das daher, daß sie die Grenzen ihres kleineren Reiches besser übersehen.«