Da rückte er seinen Schreibsessel in die Mitte des Zimmers und schaltete das Deckenlicht ein und warf sich in den Stuhl. Gwendolin aber war aufgesprungen und lief vor der Türwand hin und her.

»Es liegt doch an dir, Richard! Hast du in den letzten vier Monaten einmal um mich geworben wie jetzt?«

»Werben nennst du das?«

Nun mußte sie doch ein wenig lachen. »Jawohl – werben! Vier Monate hast du gebraucht zu diesem erlösenden Wetter! … Es hätte sich wohl auch anders denken lassen. Aber es war doch mal ein Losbruch, es war ein Zerdonnern dieser grauenhaften Verschlossenheit. Du hast dann alle Fenster an dir verhängt, und es ist mir nicht gegeben, da einen Einschlupf zu suchen. Ich habe mit mir selber genug zu tun.«

»Es ist so meine Art,« sagte er. »Ich brauche vier Wochen, ich brauch' ein Vierteljahr lang mit keinem Menschen zu reden, weder von Leid noch von Liebe.«

»So rede wenigstens mit deiner Frau. Aber du sitzt dann im Haus und im Leben als ein steinerner Gast. Es ist zum Verzweifeln. Und am Ende versteinere ich auch.«

»Jawohl, an deinem schlimmen und trotzigen Willen!«

»Nein, Richard, nein, ich bin ein Weib und bin gewöhnt, umworben zu werden im Guten und Bösen. Meinetwegen donnere durch die Tage; das ist mir ganz egal … oder: es ist mir lieber, als wenn du dich zumauerst mit dieser wortlosen Kargheit. Damit weiß ich nichts anzufangen. Und dann lauf' ich fort und mach' es wie in der anderen Zeit, in der ich glücklich gewesen bin mit mir selber und hell und aufgetan …«

Da lief sie hinaus. Es sah aus, als wollte sie nun den Hut nehmen und das rettende Malzeug und hinfliehen in die Nacht. Aber das tat sie nicht; sondern sie ging mit ihren heißen und trockenen Augen in das Schlafzimmer. Sie hatte ihm alles gesagt, was ihr Herz in dieser jähen Stunde hergeben mochte. Es war nicht über ihre Kraft gegangen, wie damals im Märchenhaus, als sie sich ausweinend über das Bett warf, aber sie dachte: was sie ihm gesagt hätte, wäre viel mehr gewesen, als sie sich je zugemutet hätte.