Henrik legte seinen Arm in den ihren und zog sie ganz fest an sich. So schritten sie nach der Spitze des Eilands, die am weitesten von den Häusern entfernt lag. Es stand dort eine Bank ins Strandrohr geschmiegt, und große moosige Felsblöcke lagen darum her.

»Wußtest du, daß ich dich rufen würde?« fragte er froh.

»Ich dachte es,« sagte sie; »denn ich weiß: in Nächten, wie in dieser, nehmen Sie sich nicht erst die Zeit zum Schlafen. Warum sagen Sie übrigens »du« zu mir?«

»Ich habe das beschlossen,« sagte er.

In der Nähe der Bank fing sein Schritt auf einmal an zu zögern. Aber sie hüllte sich fester in das graue Schultertuch und sagte: »Kommen Sie nur. Es muß doch einmal klar werden zwischen uns – für die nächste Zeit.«

Da hob er sie zärtlich über das Wässerlein, das einen Schuh breit quer vor der Bank lag. Dann krochen sie zwischen die hohen Halme wie Rohrhühner.

»Es war fein heute,« begann Gwendolin. »Sie waren wieder einmal einfach vollkommen; denn Sie waren nie unmäßig, wie das Ihre Art ist: unmäßig groß, unmäßig durstig, unmäßig grob und unmäßig sentimental. Deshalb bin ich jetzt auch gekommen.«

Er warf seine Arme um sie, daß sie hörte, wie ihr die Gelenke knackten. »Es ist dir doch nicht ernst gewesen mit dem, was du heut abend zu Rolf Krake gesagt hast?«

»Ich schwöre es Ihnen,« sagte sie. »Und wenn Sie mich jetzt küssen, dann lauf' ich nicht etwa weg – oh nein! Aber das sag' ich Ihnen: Sie machen mich damit nur häßlich und aufgewiegelt. Ich habe gelernt, viel zu fest auf mir selber zu stehen, lieber Henrik Tofte, und mit einem Aufgebot Ihrer Kraft erobern Sie die Festung nicht.«