Deshalb war die Insel in so funkelndem Betriebe. Sogar Rolf Krake, der zu noch seltsameren Göttern betete als Gwendolin, schnalzte schon drunten auf dem Ufersande herum.
Daher kam es, daß Henrik Tofte bald allein am runden Tische saß und merkwürdige Gedanken in den Morgenkaffee hineinrührte. Es war ihm ums Herz, als geschähe alles zum letzten Male, was er in den vertrauten Räumen tat. Aber endlich stand er mit feuchten Augen vom Tisch auf, um hinabzugehen zu den anderen.
An der Schwelle traf er Nane Thord. Die hatte zur Feier des Tages eine blinksaubere Haube angetan. Sie wollte hinübersegeln an den Strand, einkaufen. Da bekam Toftes Herz die Dankbarkeit: er nahm Nane Thord auf den Arm wie ein dreijähriges Mägdlein und trug sie hinab in sein Boot und sagte, sie müßte mit nach Elde in den Zirkus. Als sie merkte, daß es ihm ernst damit war, trieben die Boote schon mit gefüllten Segeln vor dem Winde – bunt wie fünf Sommerblumen, die dem Himmel aus den Händen gefallen waren. Und Henrik Tofte sang ein Scheidelied. Es klang, als würde er nie mehr einen Fuß auf das Eiland setzen.
Wo sich jener kurze Arm vom Hardanger Fjord nach Norden abzweigt, an dessen Ende die Fischerstadt Elde liegt, ist auch die Haltestelle des Dampfers. Dort machten sie ihre Boote fest, Hanna zu erwarten. Aber Henrik Tofte war ruhelos. Er reffte vor dem Eldefjord zwar das Segel; denn der Fjord ist nach Süden offen, und die Uferberge legen sich darum wie zwei Arme, die alle Sonne für ihn einfangen. Aber der Wind aus Morgen streicht an seinen Toren vorbei. Deshalb legte Tofte dort die Ruder ein und sagte: »Nane Thord will die Rundholmen besuchen, ihre Tochter, die auf Gaeslinggaard wohnt. Ich fahre also mit ihr voraus.«
Aber als die anderen Boote zwei Stunden danach an Gaeslinggaard vorüberkamen, lief Nane Thord aus dem Hofe und machte die Windmühle: Henrik Tofte hatte sie noch nicht wieder abgeholt.
Da stieg Nane Thord in Gwendolins Seelenverkäufer und nahm ihr die Ruder aus den Händen und forschte auf der Weiterfahrt an dem Mädchen herum, was es mit Henrik Tofte wäre.
Die zugeflogene Hanna saß in lauter Wiedersehensfreude im Boote von Do und Jockele. Rolf Krake aber fuhr mit diesem auf gleicher Höhe und ihm so dicht zur Seite, daß Do sehen konnte: er schien wie die Sonne.
In Elde war ein großes Leben. Die Fischer lehnten in ihren Sonntagskleidern breit und rauchend an den Steinen. Die Blockhäuser hatten helle Augen. Und die bunten blonden Mädchen und jungen Frauen wanderten Arm in Arm am Strande und hatten alle Fenster offen. Aber Henrik Tofte, den man sonst schon von weitem über allem Volk dahinsegeln sah, war nicht da. Nur sein Boot hatten sie im Hafen gesehen.
Im Zirkus saßen sie dann in der ersten Reihe, gleich neben den Borten des geharkten Sandes. Die Holzbänke füllten sich bis auf den letzten Platz und bis unter das Zeltdach hinan, das leis im Sonnenwinde flappte. Ein sehr kleiner Clown im weißen Linnenanzuge mit faustgroßen schwarzen Wollknöpfen ließ es sich angelegen sein, die Menge schon vor Beginn der Reitkünste und Akrobatenstücke neugierig zu machen. Dabei diente ihm seine zuckerhutförmige Filzmütze als Sitzgelegenheit und Schlafgemach: so bedeutend war diese Mütze, und so gering war das Männlein.
Aber Henrik Tofte war nicht da – es war zum Lustigwerden.