»Ich finde: weder das eine noch das andere,« sagte er.

»Nun, wir werden ja hören, was Do dazu meint.«

Dann sprachen sie über Liebe und Ehe und auch von den Erlebnissen, die er in seiner jungen Zeit mit Gwendolin gehabt hatte. Es war Hanna furchtbar interessant, wiewohl Do und Gwendolin ihr das alles schon einmal erzählt hatten. »Wenn ich Do wäre, so litte ich nicht, daß Gwendolin und Hanna Fellner die gleiche Luft mit dir atmeten.«

»Ja, so halten es die Menschen,« sagte er, »weil sie einander nicht vertrauen bis zum nächsten Busche – und weil sie ihre Liebe nicht reif werden lassen vor der Hochzeit.«

Dann schlich er wieder einmal auf den Zehen um den Karauschenteich. »Es sind annähernd dreihundert grüne Wasserfrösche da!«

Hanna betrieb inzwischen ein nachdenkliches Spiel mit Heidehalmen. Sooft er an ihr vorüber kam, warf er ihr ein kluges und schönes Wort von der Ehe hin oder von der Liebe. Das fing sie wie eine seltene Blume und schmückte sich das Herz damit – das wirbelige törichte Herz, das einst gemeint hatte: es hätte die Liebe nach allen Himmelsrichtungen erprobt. –

Wie es indessen um Gwendolin und den langen Mister Johnny aussah? Auf der Fahrt den Fjord hinauf war es morgendlich kühl in dem kleinen Schiffe. Als sie dann an ein sehr schönes Naturtheater kamen, auf dem sich die Kulissen sommerbunt und kühn durcheinanderschoben, sagte Gwendolin: »Sie, lassen Sie mich heraus – das muß ich malen!« Sie war noch genau so wie damals in der wilden Jockele-Zeit: vor einer romantischen Aufführung der Natur konnte sie nicht vorübergehen. Das strich sie dann keck und aufgeblüht aus ihrem jauchzenden Herzen, und es wurde ein ungeheueres Farbenerlebnis daraus.

Sie hatte sich seit dem Tage, da ihr der Freund verlorengegangen war, nicht gewandelt. Nein, Gwendolin Vogelgesang war nicht von der Art jener, die die Tür unbedacht ins Schloß werfen und dann davorstehen mit Reu' und »Hätt' ich doch«. O, die Entgleisung Henriks war ihr nicht gleichgültig – ihr am wenigsten. Aber sie hatte von allen die kräftigste Überlegenheit gegen das Leben.

Nachdem sie ihre Staffelei aufgestellt hatte, verfiel sie gleich mit Allgewalt ins Malen. Sie war dabei so rasch, daß sie nie zweimal zu einem Motive ging; denn sie kopierte nicht die Natur, sondern sie schuf das künstlerische Erlebnis, das sie davor hatte, in Form und Farbe. Ja, so war es um ihre Kunst; es wandelte sich auch darin nichts. Viele verstanden sie nicht, aber viele beglückte sie. Es kümmerte sie nicht, was sie damit für eine Wirkung erzielte.

Ob John Williams weiter fjordaufwärts gerudert war, oder ob er irgendwo hinter einer Kulisse steckt und sich in seiner veristischen Manier abmühte, wußte sie in ihrem himmlischen Untergange nicht. Er aber hatte zur Genüge erfahren: Gwendolin konnte jemandem Palette und Pinsel ins Gesicht werfen, dem es beikam, ihre Eingebungen zu stören. Sie mußte allein sein mit dem Gott, der in ihr schuf.