»Sie sind wohl nicht ganz glücklich in der Wahl des deutschen Ausdrucks gewesen, so daß ich Sie mißverstehen mußte?« fragte sie.

Aber Mister Johnnys Herz war von rassereinstem Gleichmut – er ergriff nicht einmal dies rettende Seil. »Ach nein,« sagte er, »sondern mir scheint, ich bin nicht sehr geschickt zu Werke gegangen. Nun, so teil' ich das Schicksal mit Henrik Tofte, mit Jakobus, mit dem Mann aus dem deutschen Zwetschengarten und mit den anderen, die vor mir kamen und nach mir kommen.« Das kollerte er aus seinem breiten Britenmunde hervor wie eine Reihe Kegelkugeln. Sie gingen alle daneben.

Auf der Bootfahrt, die dreizehn Kilometer lang war, unterhielten sie sich noch über den Vorfall. Es war die vergnügteste Überraschung gewesen in Gwendolins Leben. Darum flatterte ihr Herz nun auch wie ein kleiner Wimpel im lustigen Sommerwind.

Unterwegs sahen sie Do und Rolf Krake. Die beiden spazierten die schöne Uferstraße lang und befanden sich offenbar in einem angelegentlichen Gespräche. Die Bergfahrt war also kurz gewesen; denn sie hatten sich schon umgekleidet. Do hatte den roten Sonnenschirm über die Achsel gelegt, als dürfe sie kein Wort von der Geschichte verlieren, die ihr Begleiter im weißen Strandanzuge berichtete. Darum hielten sie sich auch vor dem vorübergleitenden Boote nur für die Länge eines Freundesgrußes auf.

»Nun ja,« sagte Do im Weitergehen, »ich habe nicht umsonst an Ihnen herumgeforscht seit der Stunde, in der wir uns kennen lernten. Wenn ich nun gleichwohl anfange, Sie zu verstehen: das verzwickteste Kapitel Mensch, der mir je vorgekommen ist, bleiben Sie für mich trotzdem.«

»Darauf kommt es mir weniger an,« sagte Rolf Krake. »Getrauen Sie sich nun, meine Frage von heute vormittag zu beantworten?«

»Ob Hanna von Fellner mit Ihnen glücklich werden könnte? Nein, das zu entscheiden getraue ich mir nicht. Ich möchte Sie aber nicht mutlos machen, Rolf Krake, und nicht feindseliger gegen sich selbst. Es eilt ja damit auch nicht so sehr.«

»O, es eilt doch,« sagte er. »Wenn mein Bruder Woldemar kommt, so wird er sich in Hanna verlieben.« Do sah ihn befremdet an. »Weiß Gott, er wird sich in sie verlieben,« setzte er mit Nachdruck hinzu.

Darüber ward sie ganz besinnlich und sagte: »Nun, eigentlich müßten Sie ja recht haben. Was wir über Ihr Verhältnis zu diesem Woldemar wissen, ist doch mächtig sonderbar. Ich kann das nicht verstehen – nein, ich kann es nicht! Das liegt auch daran, daß Sie alle Fäden Ihrer Jugendgeschichte an einer gewissen Stelle unvermutet abschneiden. Sie sagten: als Knaben wären Sie beide keine Ausnahmenaturen gewesen. Aber Sie, Rolf, dachten schon damals über leichtsinnige Streiche nach, die Sie gemeinsam begingen. Woldemar dagegen nahm sich und das Leben wie ein Junge. Die Mutter verstand Rolf nicht. Sie hält den nachdenklichen Knaben für ein Kind mit verstocktem Herzen – und setzt ihn zurück. Darüber wird Rolf zu einem Grübler: er sieht in sich einen Menschen voller Fehler, die ihm dereinst den Weg ins Leben vermauern werden. Und er mag sich nicht mehr leiden. Er überträgt dieses Gefühl allgemach auf den Bruder Woldemar. Sie sind Studenten in Bonn. Da tritt Hanna von Fellner zum ersten Male zwischen sie. Aber sie verlieren sie wieder. Der eine studiert dann in Jena weiter, der andere in Kiel – möglichst entfernt voneinander …«

So ließ Do die Geschichte Rolf Krakes im Wandern noch einmal an ihnen vorüberziehen. Dabei knüpfte sie die Fäden just an der Stelle scheinbar absichtslos wieder zusammen, an der er sie zu zerreißen pflegte. Es war ganz offenbar: das tat er deshalb, weil er von da ab sich in sich selber nicht mehr zurechtfand.