»Ich bin von Haus aus nicht ohne Mittel,« fuhr John fort, »ich werde deshalb auf den Rest meines Stipendiums verzichten …«

»Sie sind wohl wild geworden?«

»O, es ist nicht mehr viel. Und ich werde mich der Bildhauerei widmen.« Er lächelte. »Wir dürften für die Folge also noch enger zusammenstehen, aber die Firma ›Tofte, King und William‹ ist aufgelöst – der Gesellschafter Williams ist ausgeschieden.«

Henrik Tofte schwenkte das Glas. »Sturmschwalben auf dem Fluge zum Süden!« Er hatte Dos Naturgeschichte der Sturmschwalben nicht mit erlebt.

Auf dem Hauptbahnhof in Hamburg standen an einem Augustmorgen Do, Gwendolin und Hanna, Jockele und Rolf Krake. Sie warteten auf die Ankunft des Zuges, der ihnen den vor wenigen Tagen fertig gewordenen Dr. phil. Woldemar Krake bringen sollte. Der Sommer des Fjords war an ihnen hängengeblieben, und namentlich den Damen war anzusehen, daß sie geradewegs aus des Herrgotts Malkasten kamen. Es war ein Bild von betörendem Reiz, wie die drei auf dem Bahnsteige wandelten: die Wildrose Gwendolin in der Mitte, natürlich in sanftem Gelb, Do in Weiß und Hanna in der Farbe des Morgenhimmels, wenn der hell um die Schneegefilde des Folgefonds weht. Es war die springlebendige Lieblichkeit, vor der der Herzschlag der Männer sieben Sekunden lang aussetzt, und nach der sich die Augen der Frauen in neidlos stiller Beglücktheit wenden. Selbst inmitten des losgelassenen Lebens auf einem Bahnhof.

Da schnitt auf einmal einer quer über die schaukelnden Wogen des bunten Sommergetriebes hinweg. In der Hand des hochgereckten linken Armes, der wie ein Mastbaum ragte, schwenkte er einen Rucksack, schmetterte einen jodelnden Ruf, trieb wie ein Schiff übers Meer vor dem Sturm seiner Freude und riß die Schwertlilien aus dem Hardanger Fjord alle drei auf einmal an sein Herz: Henrik Tofte auf dem Wege nach Rom!

Weiß Gott, jeder Tag im Leben des »großen Lichtes« sorgte für eine Stunde, die den Schicksalsglauben immer fester in ihn hineinhämmerte! – Vor einer Minute hatte er gejauchzt »Nach Rom! Nach Rom!« nun aber war alles, was er vorgehabt hatte, in seiner himmellangen Freude ertrunken, und schon drehte er das Steuer gegen den Wartesaal, um dies Wiedersehen mit ungeheurer Hingabe zu feiern.

Sein Freund Johnny stand indessen hinter der rückwärtigen Scheibe des letzten Wagens im D-Zug und merkte wohl, daß er und die Reise für den jubelnden Henrik ein verwehender Traum geworden waren. Johnny hatte sich aus einer vorgefaßten Meinung gegen Gwendolin nicht sehen lassen wollen; darüber hinaus aber hatte er das Geld für Toftes Fahrkarte – und zwar bis nach Rom – ausgelegt. Im Zuge wollten sie abrechnen … Johnny schwang sich also aus dem Wagen und eilte dem Festzuge Toftes nach. So gelangte er in die Lage, sich noch ein Auge voll Gwendolin zu nehmen, riß das große Licht vom Himmel der Seligen herab und hinter sich drein – Türen schlugen, Fertigrufe erschollen, die Lokomotive tat einen erlösten Atemzug, Henrik Tofte streckte seine Arme aus dem Fenster, Gwendolin blühte ihr Hochsommerglück über das Eisengeländer noch einmal zu ihm hin – vorbei!